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Anlagebetrug: Madoffs Milliarden

In Boom-Zeiten ist es einfach zu betrügen, denn keiner schaut hin. Aber wenn die Konjunktur schrumpft, dann kommt alles ans Tageslicht. Der Milliarden-Schwindel des ehemaligen Nasdaq-Chairman Bernard Madoff könnte nur ein Vorgeschmack gewesen sein.

von Rob Cox und breakingviews.com

Zuerst kommen die Verluste und Dummheiten, die von Bankern begangen werden, die eigennützig arbeiten. Dann kommen die betrügerischen Händler, die unfähig sind, einzugestehen, dass ihre Marktwetten gegen sie gelaufen sind. Und zuletzt kommen die wahren Korrupten.

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Den "Bestand an nicht entdeckter Veruntreuung" nannte der Volkswirt JK Galbraith die direkten Betrugsfälle, die sich seiner Theorie nach aufbauen, wenn die Märkte gut laufen. Und diese können so lange verdeckt gehalten werden, solange die Lüge funktioniert. Die Täter haben es nicht eilig, überführt zu werden, denn ihnen blüht der Zorn der Öffentlichkeit, ganz zu schweigen von vielen Jahren hinter Gittern. Aber die Wahrheit kommt doch ans Licht.

Die erste große Enthüllung der gegenwärtigen Finanzkrise ist ein angeblicher Betrugsfall, der die Investoren bis zu 50 Mrd. Dollar kosten könnte. Und wie es sich für einen Schwindel dieses Ausmaßes gehört, wurde er gemäß einer US-Strafanklage von einem äußerst angesehenen Mitglied der Finanzwelt begangen - einem ehemaligen Spitzenmanager der Nasdaq und New Yorker Händler von legendärem Ruf.

Bernard Madoff wird vorgeworfen, federführend über mehrere Jahre hinweg betrügerisch großzügige Erträge für Investoren, darunter Dachfonds und andere mutmaßliche Könner ihres Gewerbes, vorgetäuscht zu haben. Er bediente sich dabei des üblichen Schneeballsystems.

Alte Investoren wurden mit dem Geld neu angeworbener Anleger bezahlt, die sich in die mit Kunstwerken überladene Zentrale Madoffs in New York hatten locken lassen. Bei einer überstürzt arrangierten Beichte in seiner geräumigen Wohnung in Manhattan eröffnete der mittellose und scheinbar reuige Madoff seinen Mitarbeitern: "Es war alles nur eine einzige große Lüge."

Madoff deutete an, die Verluste könnten sich auf 50 Mrd. Dollar belaufen. Damit wäre er - vorerst - wahrscheinlich der größte Einzelbetrüger der Geschichte. Aber bei allem Respekt, diese zweifelhafte Leistung sollte nicht allzu sehr überraschen. In der Theorie des spekulativen Zyklus von Galbraith bringen die guten Zeiten die Exzesse und die Korruption hervor, die ihnen schließlich dann auch ein Ende setzen. Die letzten guten Zeiten waren besonders rentabel, was den Boden für besonders große Betrügereien bereitet haben könnte.

Aber wenn man die Geschichte als Richtschnur - und Galbraiths Theorie für bare Münze - nehmen kann, dann sind die ersten Betrugsfälle, die entdeckt werden, nicht die größten. Madoffs Milliarden könnten nur ein Vorgeschmack auf all den Unrat sein, den die sich zurückziehenden Märkte zum Vorschein bringen.

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