Anlagen
Im Goldrausch

Sollen Goldminengesellschaften ihre Produktion absichern? „Nein“, lautet die teure Antwort von Barrick Gold, während die steigenden Goldpreise immer mehr Investoren anziehen. Doch wenn die Preise fallen, scheinen die Anleger Schutzvorkehrungen durchaus zu honorieren. Wenn dies eintritt, könnte der Entschluss des Unternehmens auf die Probe gestellt werden.
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Sollten Goldminengesellschaften ihre Produktion absichern? Barrick Gold mit ihrem relativ neuen Chief Executive Aaron Regent hat sich für die teure Antwort "Nein" entschieden. Das liegt hauptsächlich daran, dass der Preissprung bei dem Edelmetall - auf über 1000 Dollar je Feinunze - das Interesse der Anleger immer stärker anheizt. Doch die Investoren könnten sich nach dem Schutz der Absicherungsgeschäfte zurücksehnen, wenn die Kurse wieder fallen.

Barrick hat in der vergangenen Woche Aktien im Wert von vier Mrd. Dollar verkauft - mehr als zehn Prozent ihrer Marktkapitalisierung -, um die Auflösung von Absicherungsgeschäften zu finanzieren. Das ist ein kostspieliger Akt der Haushaltsführung, ganz zu schweigen von dem umfassenden Strategiewechsel für das Unternehmen. Dennoch haben sich die Investoren in dem Bewusstsein auf die Aktien gestürzt, dass ihre Auslagen mit einem Aktienkurs entlohnt werden, der hinsichtlich des Goldpreises mit einer viel stärkeren Hebelwirkung versehen ist - und deswegen ein viel größeres Gewinnpotenzial aufweist, sollte der Preis des Edelmetalls weiter in die Höhe schießen.

Die Anleger waren allerdings nicht immer so gierig. Die Absicherungsgeschäfte von Barrick hatten das Unternehmen zu einem recht beliebten Vertreter seiner Zunft gemacht, als die Goldpreise noch niedrig waren. In solchen Zeichen tritt die operative Effizienz in den Vordergrund, und die Firmen sichern sich gern feste Konditionen, aus Furcht, dass die Preise unter die Kosten fallen. Unter den Minengesellschaften besteht dann auch die Tendenz, in andere Metalle zu diversifizieren.

Dem hat der stark steigende Goldpreis ein Ende gesetzt. Die Investoren wollen plötzlich nur noch reine Gold-Engagements und einfache Finanzausweise. So hat Barrick zum Beispiel gerade Teile ihrer südamerikanischen Silberproduktion an eine auf dieses Edelmetall spezialisierte Mine verkauft. Und Barrick steht in ihrem Bestreben, die Hedging-Bücher zurückzuführen, auch nicht alleine da: AngloGold Ashanti hat Ähnliches in Angriff genommen.

Ob dieser Strategiewechsel der richtige Schritt zur rechten Zeit ist, bleibt ungewiss. Gold könnte immer noch kräftig zulegen - in seiner Funktion als traditioneller Inflationsschutz und als Zuflucht für unsichere Anleger. Doch die Aufwärtsbewegung könnte genau so gut an Kraft verlieren. Zyniker könnten sogar so weit gehen, den Entschluss von Barrick als Indikator dafür zu interpretieren, dass die Preise Spitzenniveau erreicht haben.

Die derzeitige Begeisterung der Goldfans hat dazu beigetragen, dass Barrick eine Menge Cash einsammeln konnte und der Aktienkurs dabei nur geringfügig belastet wurde. Das Unternehmen hat den günstigen Zeitpunkt genutzt. Aber nachdem die Firma ihre Geschäfte so viele Jahre lang abgesichert hat, muss sie vor dem Kurswechsel lange und sorgfältig nachgedacht haben. Trotzdem dürfte die Entscheidung der Bosse beim nächsten Abschwung auf dem Goldmarkt einer Probe unterzogen werden.

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