Anlagestrategie
Rosinen picken bei britischen Dividendenwerten

Sie glauben, an der Börse ist die Zeit des leichten Geldes vorbei? Als nächstes könnten die hohen Dividendenrenditen an ihre Grenzen stoßen. Mit Renditen von 4,4 Prozent bietet der FTSE mehr als doppelt so viel wie der S&P 500 mit seinen 2,1 Prozent. Aber Investoren sollten die Rezessionsgefahren im Blick behalten – oder auch auf einen Rückgang des Ölpreises achten.
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Einkommensorientierte Anleger in Großbritannien können sich selbst bemitleiden. Die Unternehmen des FTSE 100 werden 2009 voraussichtlich 13 Prozent weniger Dividenden ausschütten als noch 2008. Viele Unternehmen mit traditionell hohen Dividenden haben ihre Ausschüttungen zusammengestrichen oder sogar ausgesetzt.

Aber noch immer bieten Dividenden einen eleganten Weg, die Anlageergebnisse aufzubessern, vor allem für diejenigen, die glauben, dass die Tage des leicht verdienten Geldes nach der jüngsten Börsenrallye nun gezählt sind. Die Dividendenrendite des FTSE 100 wird nach Schätzungen von UBS in diesem Jahr rund 4,4 Prozent erreichen und damit mehr als doppelt so hoch ausfallen wie die des vergleichbaren US-Index S&P 500 mit 2,1 Prozent.

Die Krise traf einige renditeorientierte Aktien gar nicht so hart. Die Pharmazie-Giganten GlaxoSmithKline und AstraZeneca haben ihre Auszahlungen erhöht und BATs Dividendenerhöhung um 26 Prozent zeigte wieder einmal die defensiven Qualitäten der Tabakindustrie. Auch die Dividenden der Telekoms und der Versorger scheinen gut gesichert.

Andere Branchen bewegen sich auf unsichererem Boden. Besondere Vorsicht sollten Investoren bei Öl- und Gaswerten walten lassen, auf die nach Angaben von Capita Registrars im ersten Halbjahr 29 Prozent der Ausschüttungen entfielen. Das ist das Doppelte des Anteils, den die Branche 2007 erreichte.

Der fünfprozentige Anstieg bei Royal Dutch Shell war nur möglich, weil das Unternehmen weniger investierte, und BP gab sich zuletzt besonders vorsichtig. Wenn die Ölpreise nicht halten, könnten die Ölmultis bald dem Beispiel der italienischen ENI folgen, die ihre Dividende im ersten Halbjahr halbierte. Nichtsdestoweniger gelang es Erdgasproduzent BG seine Ausschüttung im gleichen Zeitraum um überzeugende 20 Prozent zu erhöhen.

Einige Aktien, die traditionell weniger dividendenorientiert sind, könnten jedoch an Attraktivität gewinnen. Die Medienkonzerne Pearson und Reed Elsevier bieten Renditen in der Nähe von 5 Prozent und dürften von jeder Form der Konjunkturerholung profitieren. Der Rüstungskonzern BAE und die Konsumgüterproduzenten Diageo und Unilever werden 2009 ebenfalls Dividendenrenditen über 4 Prozent erreichen.

Auch Finanzwerte sollten noch nicht vollständig abgeschrieben werden. HSBCs Halbjahresdividende lag zwar 68 Prozent unter der Ausschüttung 2008, entspricht aber immer noch einer erwähnenswerten annualisierten Dividendenrendite von 3,7 Prozent, und das sogar nach der Juli-Rallye, die die Aktie um 21 Prozent nach oben trieb.

Aber die Dividendenpapiere haben Konkurrenz. Die Rendite 10-jähriger britischer Staatsanleihen liegt jetzt bei 3,8 Prozent, nachdem sie vom jüngsten Hoch bei 4,1 Prozent wieder etwas nachgegeben hat. Sollten jedoch die Inflationssorgen die Gilt-Renditen wieder in die Höhe treiben, dürften auch Aktien mit hohen und sicheren Dividenden - und einem gewissen Maß an Inflationsschutz - zusätzliche Attraktivität gewinnen.

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