Anleiheemission
Russland überrascht die Finanzwelt

Erstmals seit zehn Jahren gibt Russland wieder Anleihen aus. In den kommenden Jahren könnte sich das Land bis zu 60 Mrd. Dollar bei Investoren borgen. Für die dürften die Russland-Bonds sehr interessant sein, denn trotz Rezession und Finanzkrise kehrt das Land freiwillig an den Bond-Markt zurück.
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Es wurde auch Zeit. Russland möchte auf den internationalen Schuldenmarkt zurückzukehren. Nach zehn Jahren Abwesenheit will das Land im nächsten Jahr bis zu 18 Mrd. Dollar aufbringen. Das würde ein Dreijahresprogramm einläuten, im Laufe dessen sich Russland bis zu 60 Mrd. Dollar borgen könnte.

Der Zeitpunkt ist gut gewählt. Das Land erholt sich langsam von der schweren Rezession, Resultat einer unglücklichen Verquickung der Kreditkrise, sinkenden Ölpreisen und der massiven Kapitalflucht infolge des Georgienkrieges.

Noch ist die Hoffnung ein zartes Pflänzchen. Die russische Bankenbrache liegt in Trümmern und die Realwirtschaft zeigt deutliche Schwächen. Das BIP sinkt in 2009 voraussichtlich um acht Prozent und soll im nächsten Jahr stagnieren. Zudem hat es das Land geschafft, die Rezession mit einer Inflationsrate von bis zu zwölf Prozent zu kombinieren.

Damit wird Russland erstmals seit Jahrzehnten ein Haushaltsdefizit aufweisen. Einige der liberalsten Minister haben Besonnenheit angemahnt. Wladimir Putin aber fürchtet um seine Popularität und läuft deshalb Sturm gegen Kürzungen der Sozialausgaben.

Moskau hofft mit gutem Grund auf eine reißende Nachfrage nach seinen Bonds. Mit knapp 80 Dollar pro Barrel liegt der steigende Ölpreis bereits über dem Niveau, das Russland braucht, um seine Auslandsbilanzen und seinen Haushalt auszugleichen. Dazu kommt eine Staatsverschuldung von kaum 30 Mrd. Dollar - weniger als sechs Prozent der gesamten russischen Auslandsverpflichtungen.

Die Rückkehr geschieht freiwillig. Russland könnte seine Schulden auch aus Rücklagen finanzieren. In zwei Funds aus besseren Tagen liegen noch immer etwa 170 Mrd. Dollar an Wertpapieren und die russischen Devisenvorräte von 413 Mrd. Dollar sind auf den Stand von letztem Januar zurückgekehrt.

Doch mit den Bonds möchte man den Weg für Kreditnehmer mit schmalerem Geldbeutel bereiten. Mit einem Auslands-Benchmark könnten sich Russlands Großkonzerne im Ausland selbst finanzieren. Dennoch sollte das Land nicht vergessen, dass man am einfachsten das Vertrauen der Anleger gewinnt, in dem man angekündigte Wirtschaftsreformen auch wirklich umsetzt.

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