Anleihemarkt
Ende der Blütezeit?

Ist die Blütezeit auf den Anleihemärkten nur ein kurzzeitiges Phänomen? JP Morgan und Moody’s halten dies für möglich. Im ersten Halbjahr wurden US-Unternehmensanleihen über mehr als 600 Mrd. Dollar begeben. Die Konsortialbanken hatten nach einer schmerzlichen Dürre endlich wieder einen Anlass zum Feiern. Doch auch wenn die Marktbedingungen attraktiv bleiben, dürfte die gute Stimmung nicht anhalten.
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Der Boom auf dem Markt für US-Unternehmensanleihen im zweiten Quartal, der die Geschicke der Wall Street-Firmen im Konsortialgeschäft so günstig beeinflusst hat, dürfte vielleicht nur ein kurzzeitiges Aufflackern gewesen sein. Dieser Ansicht sind zumindest zwei Marktteilnehmer - JP Morgan und Moody?s -, die von dieser Entwicklung sehr stark profitiert haben. Auch wenn die Banker beteuern, es sei eine Unmenge an Deals in Arbeit, könnte dennoch Anlass zur Besorgnis bestehen.

Die Unternehmen haben sich im zweiten Quartal geradezu auf die schnell steigenden Märkte gestürzt - sowohl im Junk-Segment als auch bei erstklassig bewerteten Papieren. Insgesamt wurde in der ersten Jahreshälfte ein Volumen von über 600 Mrd. Dollar erreicht, das ist fast ein Drittel mehr als im Vorjahr. Die Aufwärtsbewegung stützte die Ergebnisse großer Konsortialbanken wie Citigroup, JPMorgan, Goldman Sachs und Morgan Stanley.

Die Nachfrage nach qualitativ hoch stehenden Schuldtiteln in den USA hat den iBoxx-Index für erstklassig bewertete Bonds seit dem Anfang des zweiten Quartals um über elf Prozent nach oben getrieben. Der entsprechende Index für hochverzinsliche Titel verbuchte ein Plus von über 26 Prozent. Auch die europäischen Märkte haben eine beachtliche Hausse hingelegt. Die weltweiten Emissionen von Unternehmensanleihen haben einen Rekordumfang von 1,8 Bill. Dollar erreicht, berichtet Standard & Poor's.

Trotzdem ist JP Morgan der Ansicht, dass die Begebung von Bonds im zweiten Halbjahr brutto weniger als die Hälfte dessen betragen wird, was in der ersten Jahreshälfte emittiert wurde. Nach einem Bericht der Analysten der Bank sammeln sowohl Finanzfirmen als auch Unternehmen Cash an. Tatsächlich könnte die Nettoneuemission nach Rückzahlungen bei fast Null liegen.

Auch die Manager von Moody?s stimmten bei der Besprechung ihrer Unternehmensergebnisse in die pessimistische Einschätzung der Aussichten für die Emission von Junk Bonds ein. Nach der Beurteilung der Rating-Agentur waren die Emissionen im zweiten Quartal zu einem großen Teil dafür eingesetzt worden, um umlaufende Schuldtitel zu refinanzieren oder künftigen Bedarf vorzufinanzieren. Wenn die Unternehmen opportunistisch mit aufgesprungen sind, dann könnten sie künftig keinen allzu großen Anlass mehr haben, den Markt anzuzapfen.

Doch da das Schattenbankensystem zusammengebrochen ist, haben Firmen mit Schrott-Status nicht mehr so leicht Zugang zu Krediten mit attraktiven Konditionen. Übernahmemandate für Neukredite, die nicht dazu verwendet werden sollen, bestehende Schulden zu refinanzieren, sind dünn gesät. Also ist es für viele besser, sich dem Anleihemarkt zuzuwenden.

Die durchschnittlichen Risikoaufschläge für Junk Bonds haben jetzt wieder ein Niveau erreicht, wie es seit der Zeit vor dem Zusammenbruch von Lehman Brothers nicht mehr verzeichnet worden war. Die Spreads bei erstklassig bewerteten Papieren schrumpfen immer weiter zusammen. Daher könnten immer noch Emittenten angelockt werden. Die Anleihemärkte könnten also immer noch über Luftreserven verfügen. Mit einer Wiederholung der überbordenden Entwicklung der ersten Jahreshälfte ist allerdings nicht zu rechnen.

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