Anleihen
Inflationsschutz mit Löchern

Das argentinische Statistikamt behauptet, die Inflation des Landes liege bei 8,5 Prozent, während sie in Wirklichkeit wahrscheinlich über 20 Prozent beträgt. Das ist Betrug an den Investoren, die an den Inflationsindex gebundene Schuldtitel über 30 Mrd. Dollar halten. Auch andere Länder pfuschen an ihren Preisstatistiken herum. Anleiheinhaber sollten nur wirklich unabhängig erstellten Daten zur Teuerung - wie etwa denen von Brasilien – vertrauen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) nimmt zu Recht die Inflationsstatistiken Argentiniens unter die Lupe. Der IWF hat die Regierung des Landes aufgefordert, ihre Daten und ihre Vorgehensweise klar zu stellen. Inflationsdaten frei zu erfinden, ist Betrug an den Inhabern von Bonds, die an den argentinischen Inflationsindex gekoppelt sind. Allerdings ist Argentinien auch nicht das einzige Land, das an den Zahlen herumpfuscht, die seinen Index-Anleihen zugrunde liegen.

Seit Januar 2007 beäugen die Marktbeobachter die Inflationsdaten Argentiniens misstrauisch. Damals, vor den Wahlen, hatte der ehemalige Präsident Nestor Kirchner den Leiter des Statistikamts Indec ausgetauscht, „um die Abläufe zu verbessern“. Im April 2007 waren unabhängige Analysten davon ausgegangen, dass die Preise in Argentinien um 3,6 Prozent gestiegen waren, während Indec über einen Rückgang um 0,2 Prozent berichtet hatte. An der lockeren Monetär- und Steuerpolitik des Landes hat sich nichts geändert, und doch meldet Indec, die Teuerung sei im vergangenen Jahr von 13 Prozent auf 8,5 Prozent zurückgegangen. Volkswirte privater Banken gehen dagegen derzeit von einem Preisauftrieb in Argentinien von 22 bis 26 Prozent aus.

Es steht mehr auf dem Spiel als nur eine akkurate Statistik. In Argentinien befinden sich Index-Schuldtitel über 30 Mrd. Dollar in Umlauf. Derzeit erzielen Bonds der Serie 2033 eine Rendite von 8,5 Prozent, das entspricht einem Aufschlag von 6,8 Prozentpunkten über den vergleichbaren US Treasury Inflation Protected Securities (TIPS). Für argentinische Dollar-Bonds liegt der Rendite-Aufschlag gegenüber den US-Treasuries bei 4,5 Prozentpunkten. Wenn die Inflation nur um einen Prozentpunkt pro Jahr heruntergespielt wird, würde das die Anleiheinhaber argentinischer Indexpapiere jährlich 300 Mill. Dollar an Zinsen kosten.

Inflationsgekoppelte Bonds anderer Länder sind ebenfalls suspekt. Das US-Treasury hat 1997 erst dann inflationsgeschützte TIPS emittiert, nachdem der Verbraucherpreisindex um angenommene „hedonistische“ Verbesserungen bei der Produktqualität bereinigt worden war, von denen man annimmt, dass sie die offiziell bekannt gegebene Inflationsrate um rund 0,5 bis einen Punkt jährlich verringern. In Großbritannien hat die Regierung 2003 dagegen die Pensionszahlungen an einen neuen „Verbraucherpreisindex“ gekoppelt, der derzeit mit 2,2 Prozent wächst. Sie hatte es damals nicht geschafft, die Indexbindung von britischen Staatsanleihen zu ändern. Gilts sind immer noch an den älteren, akkurateren Einzelhandelspreisindex gebunden, der momentan um 4,1 Prozent zunimmt. Dieser Unterschied spiegelt sich in den Renditen dieser beiden Wertpapiere wider: Sie liegen derzeit für 30-jährige US-TIPS bei 1,74 Prozentpunkten und für Index-Gilts bei 94 Basispunkten.

Für Investoren, die ihre Inflationsrisiken abfedern wollen, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder akzeptieren sie nur Bonds mit Goldklausel, denn diese Titel werden überall auf der Welt frei gehandelt. Oder sie beschränken ihre Investitionen auf Index-Titel von Ländern, in denen der Inflationsindex verlässlich ist. In Brasilien zum Beispiel errechnet die unabhängige Getulio Vargas-Stiftung seit 1944 die Teuerungsdaten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%