Anleihen
Rendite-Rätsel

Die Banken drängen aus einem unlogischen Grund scharenweise in US-Staatsanleihen. Damit helfen sie, einen aufsichtsrechtlichen Schaden aus dem Liquiditätsengpass auszugleichen. Aber das wird nicht ewig so weitergehen.

Die US-Staatsanleihen sehen ganz und gar nicht nach einem Schnäppchen aus, selbst nachdem sich die Renditen in der vergangenen Woche etwas erholt haben. Mit 3,3 Prozent bringen zweijährige Notes einen vollen Prozentpunkt weniger ein, als die derzeitige Inflationsrate bei den US-Verbraucherpreisen beträgt. Und wenn Alan Greenspan – immer noch ein Überguru der Hochfinanz – nach einer von der Regierung orchestrierten Rettung der in Schwierigkeiten geratenen amerikanischen Kreditnehmer ruft – was sicher ein Zeichen dafür ist, dass der Inflationsbekämpfung keine hohe Priorität eingeräumt wird -, warum sollte dann irgendjemand eine magere Rendite von 4,2 Prozent über einen Zeitraum von zehn Jahren akzeptieren wollen?

Fundamental sprechen nicht viele Argumente für eine Investition in US-Staatspapiere. Normalerweise erwarten die Bond-Investoren einen Ertrag von etwa zwei Prozent oder mehr über der Inflationsrate. Derzeit bekommen sie weniger. Damit sich die momentanen Renditen anlegerfreundlich gestalten, wird sich die US-Wirtschaft für eine gute Weile nicht vom Fleck rühren dürfen – gegen den Willen der US-Notenbank und eines jeden amerikanischen Politikers. Im besten Fall wird der kleine negative Ertrag, der geboten wird, im Vergleich zu den konkurrierenden Anlagen - Aktien, Rohstoffe und Immobilien – nicht allzu schlecht abschneiden. Warum aber sind die Renditen so niedrig? Die beste Erklärung für den jüngsten Rückgang – sowohl die zweijährigen als auch die zehnjährigen Titel hatten im Juni noch mit fünf Prozent rentiert – ist technischer Natur. Die Verluste und Neubewertungen der Kreditkrise haben bei vielen amerikanischen Banken einen Mangel an Eigenkapital zur Folge gehabt.

Deren Hauptreaktion ist es nun, sämtliche Barmittel aus fällig gewordenen Krediten zum Kauf von Treasuries zu verwenden. Unter dem Gesichtspunkt der bankaufsichtsrechtlichen Regeln ist das sinnvoll, da Regierungsanleihen keine Kapitalunterlegung erfordern. Diese Regelung ist kaum zu rechtfertigen, da die Staatstitel dem Inflationsrisiko ausgesetzt sind. Aber die Banken halten sich an die Regeln. Die gleiche Verlagerung in den Portfolios der Banken hat die Renditen europäischer Bonds gedrückt. Dieser technische Druck könnte noch eine Weile anhalten. Aber die Anleger werden sich nicht ewig mit niedrigen Renditen zufrieden geben. Da der Dollar weiter unter Druck steht, könnten ausländische Käufer von US-Treasuries als Erste in den Streik treten. Die Banken könnten sich dann dafür entscheiden, eher die Verschuldung weiter zu reduzieren, anstatt Bonds mit dem Risiko eines Wertverlusts zu kaufen.

Wo sollten die Renditen von US-Staatsanleihen liegen? Die Inflation liegt bei über vier Prozent und die Rendite zehnjähriger, inflationsgeschützter US-Bonds zeigt sich bei knapp unter zwei Prozent. Das legt nahe, dass ein Niveau von sechs Prozent in etwa angemessen ist.

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