Anreize
Fed: Bereit zum Bremsen

Die Arbeitsplatzverluste in den USA waren im Mai deutlich geringer ausgefallen als in den vorhergehenden Monaten. Gleichzeitig klettern die Rohstoffpreise und kündigen damit eine Teuerung an. Die Banken sehen wieder robuster aus. Die Gründe für übermäßige monetäre Anreize erschöpfen sich. Ben Bernanke muss sich bereit machen, sie früher - nicht später – wieder rückgängig zu machen.
  • 0

In den USA gingen im Mai 345 000 Arbeitsplätze verloren. Die Einbußen waren beträchtlich geringer als in den vorhergehenden Monaten. Gleichzeitig klettern die Rohstoffpreise und kündigen damit eine Inflation an. Und die Banken sehen wieder robuster aus. Die Gründe für übermäßige monetäre Anreize erschöpfen sich. Der Chairman der US-Notenbank Federal Reserve, Ben Bernanke, sollte sich bereit machen, sie früher - nicht später - wieder rückgängig zu machen.

Die Zahlen zum US-Arbeitsmarkt außerhalb der Landwirtschaft sahen generell positiv aus. Von den Jobverlusten im verarbeitenden Gewerbe um 156 000 Stellen ging fast die Hälfte auf das Konto dreier Sektoren, die unmittelbar mit der angeschlagenen Automobilindustrie verbunden sind. Beachtenswert ist, dass die Daten, die nicht so schlecht ausgefallen waren wie erwartet, kaum von staatlichen Einstellungen profitiert haben, denn die Arbeitsplätze bei Regierungsstellen sind vielmehr um 7 000 zurückgegangen. Allerdings war die den Bericht begleitende Haushaltsumfrage, die zur Berechnung der Arbeitslosenquote herangezogen wird, nicht ganz so ermutigend. Der Anstieg um 0,5 Prozentpunkte auf eine Arbeitslosenquote von 9,4 Prozent war steiler als erwartet. Die Arbeitslosenquote dürfte damit über den für 2009 veranschlagten Durchschnitt von 8,9 Prozent hinausschießen, der dem "widrigeren" Szenario der jüngst vorgenommenen Stresstests für die US-Banken zugrunde gelegt worden war.

Trotzdem lassen die sich verlangsamenden Jobverluste darauf schließen, dass die Rezession eine Talsohle erreicht. Bernanke wird dann einige seiner weit reichenden Programme zur geldpolitischen Stimulierung der Wirtschaft einstellen müssen, um zu verhindern, dass die Inflation Fuß fasst. Die breit gefasste Geldmenge, sowohl was das so genannte Aggregat M2 angeht als auch den MZM-Indikator der Fed von St. Louis, liegt immer noch um etwa zehn Prozent über dem Vorjahresniveau, auch wenn sie sich offensichtlich abflacht. Daher besteht die Gefahr, dass eine Teuerung einsetzt, wenn sich die Finanzaktivitäten aus der Flaute lösen, die Preisanstiege bisher in Schach gehalten hat.

Das könnte bald passieren. Die jüngsten Kurserhöhungen bei Bankaktien und neue Aktienemissionen legen zusammen mit rückläufigen Risikoaufschlägen auf den Geldmärkten nahe, dass eine markante Verbesserung in der Verfassung des Bankensystems eingetreten ist. Die Rohstoffpreise sind gegenüber ihren Tiefs im Februar um mehr als 20 Prozent vorangekommen. Die Produktivitätszahlen im ersten Quartal wiesen eine Zunahme der Lohnstückkosten um 3,0 Prozent auf - beides sind Anzeichen für eine aufkommende Inflation.

Bernanke hat beständig darauf verwiesen, dass die Fed bereit sein muss, sich wieder aus den Krisenprogrammen zurückzuziehen. Erst am 4. Juni gab er sich vor dem US-Kongress zuversichtlich, die monetären Anreize beseitigen und es vermeiden zu können, eine Inflation zu entfachen. Um dies zu erreichen, wird er dem Problem vorgreifen müssen. Sonst läuft er Gefahr, die Zügel drastisch anziehen zu müssen und damit ein noch stärkeres Abrutschen in die Rezession zu provozieren. Er sollte schon jetzt seinen Fuß genau über der monetären Bremse in Position bringen.

Kommentare zu " Anreize: Fed: Bereit zum Bremsen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%