AOL/Bebo
Langsam fällt der Groschen

Die Schwindel erregende theoretische Bewertung von Facebook lässt die Offerte von AOL über 850 Mill. Dollar für den Konkurrenten Bebo armselig aussehen. Sie erinnert eher an den Kauf von MySpace durch News Corp. im Jahr 2005. Das Wachstum im Bereich soziale Netzwerke hat sich seitdem zwar enorm beschleunigt, nicht aber ihre Bewertungen. Vielleicht haben die Käufer eingesehen, wie schwer es ist, mit ihnen Geld zu verdienen.

Gerade ist aus der Blase um das Web 2.0 ein wenig die Luft entwichen. AOL hat Bebo, eine Website für soziale Netzwerke, für 850 Mill. Dollar ergattert. Das ist ein Schnäppchen verglichen mit dem berauschenden Wert von 15 Mrd. Dollar, der dem Konkurrenten Facebook durch die Investitionen von Microsoft im Oktober beigemessen worden war. Die AOL-Akquisition ähnelt vielleicht eher dem Kauf von MySpace durch News Corp. im Jahr 2005. Aber seitdem hat sich das Wachstum der sozialen Netzwerke enorm beschleunigt. Trotzdem zeigen sich die Käufer ein wenig ernüchtert, seitdem Microsoft bei Facebook so groß eingekauft hat. Vielleicht fangen die Käufer an einzusehen, wie schwer es ist, in diesem Geschäft Geld zu verdienen.

Die theoretische Bewertung von Facebook war ja schon immer ein wenig argwöhnisch betrachtet worden – schließlich hat Microsoft nur einen Anteil von 1,6 Prozent an dem Unternehmen erworben. Aber die Zahl hat die Erwartungen der Branche in die Höhe getrieben, und Rupert Murdochs Abschluss mit MySpace sah plötzlich wie ein Geschenk aus.

Murdoch hatte im Juli 2005 Intermix, die Muttergesellschaft von MySpace, für 580 Mill. Dollar gekauft. Damals verzeichnete MySpace 16,2 Millionen eindeutige Nutzer und 7,5 Mrd. Sichtkontakte jährlich. Die Offerte setzte für jedes der MySpace-Mitglieder 35,80 Dollar an.

Spult man 32 Monate im Schnelldurchlauf vor, dann sieht man, dass Bebo sich ungefähr in der gleichen Größenordnung bewegt. Derzeit weist die Firma 22 Millionen eindeutige Nutzer auf bei elf Mrd. jährlichen Seitenaufrufen, berichtet ComScore. AOL hat also für jeden Bebo-Nutzer 38,64 Dollar veranschlagt.

Gemessen an den Richtwerten aus der Dotcom-Blütezeit, die viele anwenden, um diese Firmen zu bewerten, mutet dies seltsam an. Schließlich verfügt MySpace jetzt über 109 Millionen eindeutige Nutzer, das entspricht einem Anstieg um 573 Prozent, seitdem das Unternehmen an News Corp verkauft worden ist. Und während sich der Nutzerzuwachs von MySpace im vergangenen Jahr auf 15 Prozent abgeschwächt hat, lag der von Bebo bei soliden plus 76 Prozent und der von Facebook sogar bei beeindruckenden plus 305 Prozent.

Warum ist Facebook für sein rasantes Wachstum belohnt worden und Bebo nicht? Es könnte sein, dass die Käufer unglaubwürdig gewordene Dotcom-Bewertungsmodelle über Bord werfen, da sie einsehen müssen, dass es tatsächlich ziemlich schwer ist, mit sozialen Netzwerken Geld zu verdienen. MySpace hat im Geschäftsjahr 2007 von News Corp. nur zehn Mill. Dollar bei Einnahmen über 550 Mill. Dollar eingefahren. Und während der Telefonkonferenz zu den Viertquartalsergebnissen von Google sagte dessen Finanzvorstand George Reyes, der Gigant der Internetsuche habe eingesehen, dass sich das Inventar der sozialen Netzwerke „nicht so gut zu Geld machen lässt, wie wir uns dies wünschen würden“.

Mit der Zeit wird auch die Anschaffung von AOL vielleicht wie ein Geschenk aussehen. Aber damit dies geschehen kann, muss das Unternehmen einen Weg finden, wie man dem Modell der sozialen Netzwerke auch ein paar nennenswerte Erträge abgewinnen kann.

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