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N. Beer
(FDP)
C. Lindner
(FDP)
W. Kubicki
(FDP)
C. Mahn-Gauseweg
(Piraten)

Außerparlamentarische Opposition
„Deutschland braucht eine neue Willkommenskultur“

Die Debatte um EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit und „Armutsmigration“ schlägt in Deutschland hohe Wellen. Nun äußert sich FDP-Chef Christian Lindner – und findet klare Worte: Deutschland braucht eine Willkommenskultur.
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Dies ist der Gastbeitrag von FDP-Chef Christian Lindner im Rahmen der Kolumnenreihe „Die außerparlamentarische Opposition“ (APO) über die Diskussion um die Folgen der EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit. Einen Artikel zum selben Thema von AfD-Chef und APO-Autor Bernd Lucke finden Sie hier. Die Meinung der Kolumnisten ist die nicht die Haltung von Handelsblatt Online.

Wer Bulgaren oder Rumänen pauschal Sozialmissbrauch unterstellt, wie dies in den vergangenen Tagen getan wurde, der opfert die Weltoffenheit unseres Landes. Deutschland aber braucht mehr denn je eine Willkommenskultur. Auf dieses Ziel ist übrigens jeder, der in Deutschland politische Verantwortung trägt, schon durch das Grundgesetz verpflichtet. Denn in Artikel 3 unserer Verfassung heißt es: „Niemand darf wegen (...) seiner Heimat und Herkunft (...) benachteiligt (...) werden.“

Qualifizierte Zuwanderung ist eine der Antworten auf die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft. Wir sollten uns glücklich schätzen, wenn Menschen zu uns kommen wollen, um mit uns gemeinsam unseren Wohlstand auszubauen und unsere sozialen Sicherungssysteme angesichts des demografischen Wandels stabil zu halten. 

Für uns Liberale kommt es deshalb nicht darauf an, woher jemand kommt. Es kommt darauf an, wohin er mit uns will. Wir sind überzeugt: Wer an dieser Gesellschaft teilhaben möchte, wer sich in unser Wirtschaftsleben einbringen will, wer die republikanische Wertordnung des Grundgesetzes akzeptiert, der soll hier auch ein neues Zuhause finden können. Aber damit Menschen voller Tatendrang und Schaffenskraft nach Deutschland kommen, müssen sie uns in Deutschland vor allem eines sein – willkommen. Pauschale Verdächtigungen, falsche Vorhaltungen und mediale Stimmungsmache sind das Gegenteil einer Willkommenskultur. 

Gleichzeitig ist auch klar: Die vielen Menschen, die zu uns kommen, um hier bei uns zu arbeiten und ihre Kinder großzuziehen, die Teil unserer Gesellschaft sein wollen – wir würden sie den Stimmungsmachern ausliefern, wenn wir real existierende Probleme nicht angehen. Es gibt diese Probleme, etwa in Duisburg, Offenbach oder Berlin. Mit verwahrlosendem Wohnraum, mit kaum beschulbaren Kindern und mit steigender Kriminalität. Mit diesen Problemen dürfen die Städte und Gemeinden und die Bürgerinnen und Bürger nicht alleine gelassen werden – sie brauchen echte Hilfestellungen. Denn die nicht gelösten Probleme vor Ort bilden sonst den Nährboden, auf dem die Parolen der Stimmungsmacher gedeihen.

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„Deutschland braucht eine neue Willkommenskultur“

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„Verschärfungen der Rechtslage sind nicht nötig“

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  • Über die fehlende Willkommenskultur gab es vor ca. einem Jahr auch einmal einen recht interessanten Bericht mit Zitaten von Tobias Busch: http://www.business-on.de/saarlorlux/fachkraefte-recruiting-experte-deutsche-wirtschaft-kuemmert-sich-zu-wenig-um-auslaendische-high-potentials-_id15770.html

  • eine Willkommenskultur wird vor allem durch klare Regeln geprägt die Missbrauch marginalisieren.
    Es ist eine Verdrehung von Ursache und Wirkung, wenn die Besorgnisse bezüglich der Voraussetzungen die mit Zuwanderung einer bestimmten Gruppe verbunden sind, als pauschal unterstellter Sozialmissbrauch diffamiert werden.
    Macht gescheite Regeln und wie eine Umfrage ergab, begrüßt dann die Mehrheit entsprechende Zuwanderung.
    solange es aber umgekehrt läuft (keine gescheiten Regelungen und Probleme auf dem Rücken der Schwächsten abwälzen) muss man wohl von eher arroganter Unfähigkeit ausgehen.

  • Lindner möchte für die bessere Auswahl an billigen Arbeitskräfte und den damit verbundenen Mehrgewinn seiner Wählerklientel die verstärkte Zuwanderung auf unser aller Kosten
    und für die Folgen dieser einseitig orientierten Politik will er dann den Sozial- und Rechtsstaat bemühen “Schließlich haben wir den Sozial- und Rechtsstaat dafür, dass er sich diesen Fragen annimmt.“

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