T. Wirth
(Piraten)
B. Lucke
(AfD)
N. Beer
(FDP)
C. Lindner
(FDP)
W. Kubicki
(FDP)
C. Mahn-Gauseweg
(Piraten)

Außerparlamentarische Opposition
Eine Nerd-Brille macht noch keinen Internet-Experten

Hat Deutschland mit Alexander Dobrindt endlich einen Internetminister? Nein. Ihm obliegt zwar der Ausbau der digitalen Infrastruktur – doch die wirklich wichtigen netzpolitischen Entscheidungen werden woanders getroffen.
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Ein Mitglied der Enquete-Kommission „Internet und Digitale Gesellschaft“ hat am Ende der dreijährigen Arbeit des Gremiums dieses Resümee gezogen: Internet und digitale Themen sind jetzt keine Stiefkinder der Politik mehr, sondern haben ihren Platz im parlamentarischen Betrieb gefunden. Tatsächlich?

Auf dem ersten Blick scheint der Optimismus durchaus gerechtfertigt. Es gibt eine „Digitale Agenda“ im Regierungsprogramm. Ein Ausschuss für Internet und Digitale Agenda ist zumindest im Gespräch. Und nicht zuletzt bekommt der Ausbau der digitalen Infrastruktur einen derart hohen Stellenwert, dass er sich sogar in einem Ressortnamen wiederfindet.

Anzunehmen, dass dadurch die Netzpolitik endlich vom Kopf auf die Füße gestellt wurde, ist allerdings ein Trugschluss. Wer glaubt, mit einem Ministerium für den Ausbau digitaler Infrastruktur zeitgemäße und den Ansprüchen der wachsenden Zahl an Interessensgruppen entsprechende Netzpolitik zu machen, hat die Komplexität und Vielschichtigkeit des Themas nicht verstanden.

Anders ist es auch kaum zu erklären, dass Alexander Dobrindt, der sich genau genommen nur mit dem Internet als Datenautobahn befassen darf, nun allgemein zum „Internetminister“ gehypt wird. Dabei darf man zwei Dinge nicht vergessen. Erstens: eine Nerd-Brille macht noch keinen Internet-Experten. Zweitens: die wirklich wichtigen netzpolitischen Entscheidungen werden auch in Zukunft immer noch in anderen Ressorts getroffen.

Es ist natürlich durchaus löblich, dass der flächendeckenden Versorgung mit schnellem Internet mittlerweile zumindest formal der Status elementarer Infrastruktur zugedacht wird. Breitband-Anschlüsse werden mehr und mehr als Beitrag zur Grundversorgung angesehen und das ist per se ein lobenswerter Schritt – auch wenn er gefühlte 20 Jahre zu spät kommt.

Bei genauerer Betrachtung wird allerdings schnell deutlich, dass weder Dobrindt noch seiner netzaffinen Staatssekretärin Dorothee Bär eine wirksame Handhabe zur Umsetzung zur Verfügung steht. Die dafür notwendigen Milliarden Euro sind längst in andere Töpfe gewandert und damit für Investitionen nicht mehr verfügbar.

Die Umsetzung der im Koalitionsvertrag definierten „Digitalen Agenda“ obliegt jemand anderem: dem neuen Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Noch genauer: seiner Staatssekretärin Brigitte Zypries. Das ist insofern bemerkenswert, als dass sich die ehemalige Bundesjustizministerin der zweiten Großen Koalition vor allem durch ein Gesetzesvorhaben in der Netzgemeinde nachdrücklich bekannt gemacht hat: das Zugangserschwernisgesetz.

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Erfreuliches kommt nur aus dem Justizministerium

Kommentare zu " Außerparlamentarische Opposition: Eine Nerd-Brille macht noch keinen Internet-Experten"

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  • Merkels Kabinett ist ja ohnehin schon eine bunte Zusammensetzung. Mal sehen, wie sich der ein oder andere so schlägt.

    Mit Dobrindt hat Merkel sich von Seehofer überrumpeln lassen. Das war für Deutschland ein wirklicher Griff ins Klo!

    Bis heute hat Dobrindt außer Sprüche klopfen im kleinformatigen Stammtischniveau nichts vorzuweisen. In Sachen Griechenland hat er bewiesen, dass sein Wort nichts wert ist und er seine eigenen Aussagen durch gegenteilige Entscheidungen selbst in Frage stellt. Ein Wendehals wie er im Buche steht.

    So jemand ist nun Verkehrsminister? Gute Nacht Deutschland!

    Der Mann ist ja noch nicht so alt, aber das Internet vermag er vielleicht als Wort noch zu buchstabieren. Ihm dieses Thema auch noch aufzubürden und dann zu glauben, wie uns Seehofer weismachen möchte, Dobrindt besetzt nun ein "Superministerium" zeigt doch klar die gespaltene Wahrnehmung von Tatsachen auf. Wenn dem nun so ist, dann dürfen wir mal gespannt sein, wie Dobrindts Bilanz nach 100 Tagen aussehen wird!?

    Wahrscheinlich geht er erstmal in Deckung und wacht dann im April aus seinem persönlichen Winterschlaf auf. Das CSU-Lieblingsprojekt MAUT wird anstelle von Zusatzeinnahmen das erste Milliardengrab in dem unsere hart erarbeiteten Steuergelder versickern werden. Das alles nur um Dobrindt einen Posten zu sichern.

    Dobrindt versteht von Projektleitung bis hin zur Wirtschaft nichts. Dies hat er immer wieder unter Beweis gestellt. Dobrindt sollte sich um den Flughafen Berlin kümmern, da hat sein Vorgänger aus Bayern schon kläglich versagt und weitere Steuermilliarden versenkt. Stuttgart 21, marode Strassen, Umweltbelastung, Schienenverkehr, Verspätungen bei der Bahn, Luftverkehr..........
    Das alles will ein kleiner CSU-Generalsekretär wuppen??

    Mal zum Vergleich: Unsere Putzfrau übernimmt auch keinen Vorstandsposten. Im Vergleich zu Dobrindt muss sie aber jeden Tag hart arbeiteten und erhält keine Luxusdiäten und eine lebenslange Pension.

    Dobrindt sollte sofort zurücktreten!

  • Jede Regierung hat klassische Underperformer.

    In der GroKo stammen diese heuer aus Bayern!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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