Apollo/Cerberus
Beteiligungsgesellschaften: Zurück zu den Wurzeln

Alle Beteiligungsgesellschaften haben mit Problemen zu kämpfen. Aber Apollo und Cerberus haben Deals abgeschlossen, die besonders schief liefen. Cerberus hat seine Investoren in riskante Abschlüsse hineingezogen. Und Apollo könnte sich vor Gericht verschätzt haben. Vielleicht müssen sie schon bald zu ihren Investment-Wurzeln zurückkehren.

Apollo und Cerberus müssen sich vielleicht bald an die Götter wenden, die für die hoffnungslosen Fälle zuständig sind. Beide Investmenthäuser, die sich früher auf Not leidende Kredite spezialisiert hatten, hatten sich während des Kreditbooms in Übernahmemaschinen verwandelt. Beide zahlen jetzt den Preis für ihre Abenteuer. Mehr als andere Private Equity-Firmen haben diese beiden Fehler gemacht, die ihren Buyout-Geschäften bald den Eingang in die Wirtschaftsgeschichtsbücher verschaffen könnten.

Cerberus hatte sich fokussiert in die Übernahmen gestürzt. Die Beteiligungsgesellschaft füllte die Fonds, die sie errichtete, mit Geschäften aus dem Automobilbereich und schmiedete so einen Giganten, der Chrysler, den GM-Finanzbereich GMAC und mehrere Autoteilezulieferer umfasste. Cerberus sollte eigentlich die Sanierungsmuskeln spielen lassen und heuerte zu diesem Zweck sogar Bob Nardelli an. Der ehemalige Chef von Home Depot und Management-Guru, der sich ganz den Leitsätzen des Six Sigma verschrieben hatte, trat an die Spitze von Chrysler.

Aber die Wette auf die Autobauer ging nicht auf. Nardelli muss den US-Kongress nun sogar um das Geld der Steuerzahler bitten, um Chrysler über Wasser halten zu können. Und die Versuche von GMAC, in letzter Minute eine Insolvenz abzuwenden, indem sie sich in eine Bankenholdinggesellschaft umwandelt, sehen bisher nicht sehr erfolgreich aus. Und selbst wenn ihr dies gelingt, werden diese Bemühungen bestenfalls dazu beitragen, einen Teil der 14 Mrd. Dollar zu retten, die in die Deals investiert worden sind, anstatt den Fonds solide Erträge zu bescheren.

Die Investoren wären vielleicht sogar bereit gewesen, angesichts der unvorhersehbaren Intensität der Probleme in der Autobranche ein Auge zuzudrücken. Aber Cerberus hat sich noch einen zweiten Fehler geleistet. Die Beteiligungsgesellschaft hat von den Anlegern mehr Geld verlangt, als sie selbst in die Deals zu investieren willens oder fähig war. Die Fonds der Gruppe investierten höchstens 15 Prozent der Barmittel bzw. rund 1,1 Mrd. Dollar pro Abschluss. Andere Bekannte und Verwandte steuerten den Rest bei.

Cerberus wollte ohne Zweifel ihr eigenes Portfolio breiter streuen und beteuerte, dass ihre Fonds insgesamt immer noch profitabel arbeiten könnten. Aber das wird den Investoren vielleicht nicht viel nützen, die zusammen mit Cerberus Geld in Chrysler und GMAC gesteckt haben. Wenn diese beiden Unternehmen untergehen, könnten die Mitinvestoren der Buyout-Firma zusammen fast zwölf Mrd. Dollar verlieren. Dagegen könnte Cerberus, wenn ihre Fonds über insgesamt mehr als 20 Mrd. Dollar noch Geld abwerfen, trotzdem eine 20prozentige Erfolgsgebühr einstreichen. Die Firma hatte auf der Suche nach Mitinvestoren bei rund 100 Anlegern den Hut herumgehen lassen. Wenn die sich jetzt letztendlich ausgenutzt fühlen, könnten sie sich für immer verabschieden.

Auch Apollo hat Fehler gemacht. Ihr Umgang mit Schulden war besonders aggressiv und oft auf den maximalen Hebel bei minimalem Schutz für die Gläubiger aus. Die Banken haben mitgespielt und den Forderungen von Apollo oft nachgegeben. Wenn weiter billiges Geld zu haben gewesen wäre und das robuste Wirtschaftswachstum sich fortgesetzt hätte, dann hätte sich diese Methode wahrscheinlich für die Investoren ausgezahlt. Jetzt aber ächzen die verschiedenen Apollo-Investitionen unter ihrer Schuldenlast. Die Kapitalgeber könnten große Summen verlieren und die Investoren dürften auch nicht so gut dabei wegkommen.

Wie bei Cerberus hätte diese aggressive Vorgehensweise allein die Investoren wohl nicht vollends verstimmt. Aber der zweite Fehler, den Apollo begangen hat, könnte darin bestehen, sich vor Gericht verschätzt zu haben.

Die Beteiligungsgesellschaft ist wegen eines Deals vor den Richter gezogen, in dem Hexion, eine Chemiefirma in ihrem Besitz, eingewilligt hatte, den Branchenkollegen Huntsman zu kaufen. Apollo hatte behauptet, das fusionierte Unternehmen wäre insolvent und dass Hexion deshalb die Transaktion nicht zu Ende bringen und auch keine Gebühr für deren Abbruch zahlen müsse.

Der Richter aber zwang Apollo dazu, den Deal zum Abschluss zu bringen. In einer weiteren Wendung fügte er hinzu, dass es keine Begrenzung des Schadenersatzes bei weiteren Gerichtsverfahren geben werde. Apollo könnte nun mehr verlieren als nur die Strafgebühr, die Hexion hätte hinblättern können, um sich problemlos aus dem Deal zu verabschieden. Zwar werden weitere gerichtliche Auseinandersetzungen vielleicht zugunsten von Apollo ausgehen, aber die Investoren könnten jetzt die Art und Weise, wie Apollo die Gerichte einspannt, in Frage stellen. Übernahmespezialisten sollten vor allen Dingen rentable Abschlüsse ausfindig machen und bei der Finanzierung von Vornherein einen angemessenen Hebel einsetzen, und nicht versuchen, übertrieben aggressive Vereinbarungen aufzulösen, wenn die Konjunktur nicht mehr läuft.

Apollo scheint seine Private Equity-Ambitionen auf Eis gelegt zu haben, zumindest vorerst. Gründer Leon Black sagte der "New York Times", die Firma habe sich in ein Anleihe-Haus verwandelt. Vielleicht hat sie auch gar keine andere Wahl. Die Investoren, die in ihre und in die von Cerberus geleiteten Fonds investiert haben, haben sich die Finger verbrannt. Die einzige Option, die den beiden Firmen vielleicht noch offen steht, wäre, zu ihren Wurzeln zurückzukehren, die in den Investitionen in Not leidende Kredite liegen.

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