Apple-Aktie
Nach der Spielzeugphase

Apple hat bei seinem jüngsten Event keine überraschenden Geräte vorgestellt. Die Aktien des iPod-Herstellers sind daraufhin gefallen. Doch eigentlich sollte das, was Steve Jobs für die Zukunft angekündigt hat, die Aktionäre mehr begeistern als jedes weitere Kinkerlitzchen.

Die Unternehmensevents von Apple zielen darauf ab, die kultgleiche Verehrung der Fangemeinde zu beflügeln. Bleibt dies aus, zahlen die Aktionäre der Firma den Preis. Nachdem der iPod-Hersteller auf seiner jüngsten Veranstaltung am Dienstag den Legionen seiner eingeschworenen Anhänger keine überraschenden Produkte vorgestellt hat, sind seine Aktien auf den niedrigsten Stand seit April gesunken. Doch die Aktionäre sollten sich damit trösten, was durch die von Apple eingeleiteten Schritte ersichtlich wurde: Anstatt seine Energie auf die Produktion besserer Spielgeräte zu konzentrieren, baut der Computerriese nun bessere Plattformen.

Eigentlich waren Branchenbeobachter und Fans davon ausgegangen, dass Apple auf seiner unter das Motto "Let?s rock" gestellten Party einen neuen iPod ankündigen würde. Stattdessen hat die Firma einfach ihre bestehenden Modelle überarbeitet. Und obwohl die neuen neun Farbvarianten, in denen der dünnere iPod Nano jetzt zu haben ist, nett anzuschauen sind, haben sie die Investoren nicht umgeworfen; die Anleger haben die Apple-Aktien prompt mit einem Minus von vier Prozent abgestraft.

Doch das, was Apple offenbart hat, könnte für die Aktionäre in der Tat von größerem Wert sein als lediglich ein weiteres angesagtes Spielzeug. Das Computerunternehmen baut gerade lukrative Distributionsplattformen für die Zukunft auf. Zum Bespiel hat die Firma die Musikbibliothek iTunes mit einer Funktion namens "Genius" versehen, die automatisch Playlisten ähnlicher Lieder erstellt und die die Zuhörer mit Vorschlägen zu Links versorgt, mit deren Hilfe sie ihre Playlisten mit Songs ergänzen können, die man unbedingt gehört haben muss.

Die gesamte neue Software für die überarbeiteten Apple-Geräte ist mit der Genius-Funktion ausgestattet. Während also die neuen iPods vielleicht nicht gerade Bahn brechend sind, fungieren sie dennoch als Hebel für das vermehrte Herunterladen von Musiktiteln. Damit könnte ein positiver Kreislauf für Apple in Gang gesetzt werden. Und es erklärt auch, warum NBC gerade jetzt wieder zu iTunes zurückkehrt, nachdem der Sender die Musikbibliothek vor neun Monaten noch aufgrund eines Streits über die Preisgestaltung in aller Öffentlichkeit verschmäht hatte.

Und die Plattformen reichen über Musik, Filme und Fernsehsendungen hinaus. Der App Store des Unternehmens, der Programme für das iPhone und den iPod Touch verkauft, hat in den ersten 60 Tagen seines Bestehens über 100 Millionen Downloads registriert. In diesem Bereich dürfte Apple auf den globalen Markt für Videospiele abzielen, der bis 2010 rund 46,5 Mrd. Dollar umfassen könnte, wie PricewaterhouseCoopers schätzt. Da bereits ein solch weit reichendes Distributionsnetz eingereichtet ist, könnte ein kleiner Anteil an diesem Kuchen im Bereich des Möglichen liegen.

Apple hat dieses Mal vielleicht die eingefleischten Hardware-Anhänger enttäuscht. Aber die Aktionäre des Unternehmens könnten langfristig vielleicht einen größeren Nutzen aus dem aufregendsten aller neuen Produkte von Apple ziehen: aus seinen Plattformen.

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