Arbeitsplätze und Rezession: Die Entlassungswelle baut sich auf

Arbeitsplätze und Rezession
Die Entlassungswelle baut sich auf

Die Kreditkrise hat bereits 2007 mit 161 000 Entlassungen im Finanzsektor einen traurigen Rekord verursacht. Und doch sieht es so aus, als würden sich die Kürzungen in Grenzen halten – bis jetzt. Aber wenn sich die Befürchtungen über weiter reichende Kreditprobleme in diesem Jahr bewahrheiten, könnten sich die Arbeitsplatzverluste ausbreiten. Das wäre ein schlechtes Zeichen für die US-Wirtschaft.

Die US-Wirtschaft hat sich trotz der verheerenden Auswirkungen der Subprime-Krise als erstaunlich widerstandsfähig erwiesen. Das Debakel um US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität hat 2007 im Finanzsektor zu Arbeitsplatzverlusten in Rekordhöhe geführt, berichtet Challenger, Gray & Christmas, eine Firma, die sich auf die Beratung bei der beruflichen Neuorientierung spezialisiert hat. Sollten sich die Ängste vor tiefer gehenden Kreditproblemen 2008 bewahrheiten, könnte dieser Wegfall von Stellen auch andere Bereiche der Wirtschaft überschatten. Das könnte genügen, damit sich das allgemein für die US-Wirtschaft erwartete flaue Wachstum in eine ausgewachsene Rezession verkehrt.

Ein Blick auf die Finanzbranche zeigt, wie stark die Kreditkrise und die Lage auf dem Arbeitsmarkt miteinander verzahnt sind. Der Sektor, der schwer von dem Zusammenbruch des Subprime-Markts getroffen worden ist, hat im vergangenen Jahr 161 000 Arbeitsplätze abgebaut. Das waren dreimal so viele wie 2006 und um 31 Prozent mehr als bei dem vorherigen Rekordverlust, der 2001 nach dem Platzen der spekulativen Internetblase verzeichnet worden war.

Die Kreditkrise könnte sich weiter über die Hypothekenabteilungen und über die Bereiche für strukturierte Kreditprodukte hinaus ausbreiten. Der Kreditkartenmarkt, zum Beispiel, scheint anfällig zu sein. Ein ausgeprägter Anstieg der Privatinsolvenzen und der Zahlungsausfälle wird befürchtet, wenn die Sätze variabel verzinster Hypotheken neu angepasst werden. Laut Moody’s könnte die Ausfallquote bei Unternehmenskrediten 2008 um das Fünffache klettern, da sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt.

Wenn diese Kreditprognosen wahr werden, könnte sich der starke Stellenabbau, den die Bankenbranche 2007 verkraften musste, weiter ausdehnen. Auf den Finanzsektor entfallen 7,4 Prozent der wirtschaftlichen Wertschöpfung. Die Branche könnte weitere zehntausende Arbeitsplätze verlieren, da Citigroup, Merrill Lynch und andere die Kosten senken müssen. Ein Domino-Effekt ist nicht auszuschließen, und überhaupt scheint der breitere Arbeitsmarkt gegen Ende des Jahres schon nachgegeben zu haben. In den USA wurden im Dezember lediglich 18 000 neue Stellen geschaffen. Das ist das schwächste Monatsergebnis seit vier Jahren. Die Beschäftigung im Einzelhandel, zum Beispiel, verzeichnet eine absolute Flaute.

Die Arbeitslosenquote ist bereits auf fünf Prozent gestiegen. Wenn der Stellenabbau im Finanzsektor den breiteren Arbeitsmarkt weiter mit sich in die Tiefe reißt, werden die Verbraucher notgedrungen ihre Ausgaben einschränken. Das wäre ein schlechtes Zeichen für eine Wirtschaft, die schon jetzt jeden – vom ganz normalen Bürger bis zu den Politikern im Weißen Haus – wie auf glühenden Kohlen zappeln lässt.

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