Arcelor/Macarthur
Heiße Steine

Der Stahlkonzern hat seinen Einstieg beim australischen Kohleproduzenten teuer bezahlt. Gemessen am Preis für den 15-Prozent-Anteil bewertet Arcelor die Macarthur-Gruppe mit 4 Milliarden Euro. Vor dem Hintergrund der steigenden Kohlepreise und ArcelorMittals Ziel, die Versorgung sicherzustellen, könnte jedoch auch eine vollständige Übernahme ein kluger Schachzug sein.

Schmuck zu versichern ist durchaus üblich, nicht so aber Kohle. Doch genau das tut ArcelorMittal durch den Kauf eines 15-Prozent-Anteils an Macarthur Coal, einem australischen Kohleproduzenten. Der Stahlerzeuger, der sich überwiegend in indischem Besitz befindet, zahlt einen hohen Preis für diese Minderheitenposition - aber auch eine vollständige Übernahme, die man bei Arcelor nicht ausschließt, könnte sich als kluger Schritt erweisen.

Gemessen am Preis des Arcelor-Anteils ist Macarthur insgesamt 4 Milliarden Dollar wert. In Relation zu vergleichbaren Unternehmen scheint das nicht zu hoch gegriffen zu sein. Dieser Preis entspricht einer Bewertung von 3,60 Dollar pro Tonne der Macarthur Ressourcen. Xstrata zahlte pro Ressourcentonne der ebenfalls australischen Ressource Pacific 4,00 Dollar. Allerdings hätte Arcelor Macarthur-Aktien vor einem Jahr zu einem Viertel des Preises haben können.

Der Kaufpreis ist nur zu rechtfertigen, wenn man davon ausgehen kann, dass die Kohlepreise auf hohem Niveau verharren. Und das ist durchaus möglich. Die Kontraktpreise für Kokskohle, die bei der Erzeugung von Stahl eingesetzt wird, haben sich in diesem Jahr auf 300 Dollar pro Tonne verdreifacht. Zum Teil ist dieser Anstieg auf Zufallsereignisse wie Minenüberschwemmungen zurückzuführen. Es gibt jedoch auch infrastrukturelle Probleme, die es wahrscheinlich machen, dass die Produzenten auch im nächsten Jahrzehnt die Oberhand bei der Preisgestaltung behalten werden.

So gesehen erscheint der Arcelor-Schachzug clever. Auch bei der Versorgung mit Eisenerz, dem zweiten wichtigen Bestandsteil bei der Stahlproduktion, erhöht Arcelor den Anteil aus eigenen Minen. Gegenwärtig stammen fast 50 Prozent des Inputs aus eigenen Quellen. Hinzu kommt, dass Indien über jede Menge Eisenerzreserven verfügt. Dagegen kann sich Arcelor bei Kohle, wo Australien die weitaus größeren Ressourcen besitzt, nur zu 15 Prozent selbst versorgen. Durch die Macarthur-Minen könnte dieser Anteil auf rund ein Viertel ansteigen.

Der Stahlkonzern hält sich die Türen für eine mögliche Übernahme offen. Bei der australischen Aufsichtsbehörde, die über ausländische Investitionen wacht, hat Arcelor schon vorsorglich um Genehmigung für die Aufstockung seiner Beteiligung nachgesucht. Und da China bereits mit 19 Prozent an Macarthur beteiligt ist, ist kaum damit zu rechnen, dass die Behörden Arcelors Ansinnen rundweg ablehnen. Der Gründer von Macarthur, Ken Talbot, hat Arcelor bisher 5 Prozent seines 25-Prozentanteils verkauft, damit bleibt er auch zukünftig ein potenzieller Verkäufer. Entschließt sich Talbot weitere Aktien zu verkaufen, ist auch ein Bieterstreit zwischen potenziellen Interessenten nicht ausgeschlossen. Kokskohle gehört zu den begehrtesten Minenerzeugnissen. So soll sich nach Insider-Informationen auch Xstrata um einen Einstieg bemüht haben, bis die Presse davon Wind bekam. Arcelor hat sich jetzt zumindest einen Platz im Ring gesichert.

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