Asiatische League Tables
In einer eigenen Liga

Banker geben sich Ranglisten gegenüber gern gleichgültig. Aber insgeheim verfolgen sie die Rennlisten mit Leidenschaft. Besonders in Asien ist die Fixierung auf die so genannten League Tables intensiv ausgeprägt. Dort ist das Beratungsgeschäft noch nicht so stark ausgereift. Aber solange die Rennlisten der einzige greifbare Maßstab für den Erfolg sind, werden die Gewinne in der Region vermutlich leiden.
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Banker lieben es, sich über den Spielstand auf dem Laufenden zu halten. Allerdings würden sie dies nie vor anderen zugeben. Sie geben vor, ihre üppigen Boni reichten ihnen als Honorierung für ihre aufreibend langen Arbeitstage und ihre von halsbrecherischem Wettbewerb gekennzeichnete Arbeit. In Wirklichkeit ist das Recht darauf, sich für einen sorgfältig ausgearbeiteten Deal auf die Schultern zu klopfen, fast genau so begehrt. Darum gehören die Hitlisten, die Auskunft darüber geben, wer an den meisten und größten Transaktionen mitgewirkt hat, zu den heiß diskutierten Gesprächsthemen - sowohl bei Kundentreffen wie auch auf dem Golfkurs. Diese Obsession scheint besonders akut in Asien um sich zu greifen. Und das Rekordniveau der Kapitalmarktaktivitäten in dieser Region in der ersten Jahreshälfte hat die Leidenschaft nur neu angefacht.

Die globalen Investmentbanken bauschen die Wachstumsaussichten in Asien vielfach auf. Aber über ihre Geschäfte in der Region legen sie nur wenige finanzielle Details offen. Im Bericht der Deutschen Bank zum zweiten Quartal etwa, der immerhin 76 Seiten umfasst, taucht das Wort "China" gar nicht und das Wort "Asien" nur ganze zwei Mal auf - und davon ein Mal, um die markantere Positionierung der Bank in den Ranglisten zu erwähnen. Es ist unmöglich, einen aussagekräftigen Vergleich der Banken untereinander hinsichtlich der Investment Banking-Aktivitäten in Asien vorzunehmen, wenn man dazu die Daten heranzieht, die die Firmen selbst bereitstellen. Der Mangel an vergleichbareren Einzelheiten zu Einnahmen oder Gebühren intensiviert die Bedeutung der Transaktionsdaten, die von Dealogic und Thomson Reuters geliefert werden.

Ein weiterer Faktor sind die Kunden. Große westliche Unternehmen werden mittlerweile müde und skeptisch geworden sein, wenn jede Bank behauptet, die Beste zu sein, indem sie die Rankings angestrengt in ihre Einzelbestandteile zerlegt. Doch dies trifft nicht notwendigerweise auch auf den Osten zu. Da so viele chinesische Firmen immer noch Mündel des Staates sind, kann es eine nützliche Übung zur Selbstabsicherung sein, wenn man den Regierungsbossen zeigen kann, dass die "Nummer eins" unter den Banken engagiert wurde. Darüber hinaus nehmen die Rennlisten in Asien einen ganz besonderen Glanz an, sie bedienen gleichsam im Finanzbereich die Begierde der Region nach Markenartikeln.

Aber die Fixierung darauf, die größten Deals Asiens für sich beanspruchen zu müssen, hat ihren eigentlichen Ursprung darin, dass in der Region die weltweit niedrigsten Gebühren eingenommen werden. Kunden in Indien und Südkorea, zum Beispiel, sind für ihre Knauserigkeit berühmt, wenn es darum geht, für einen Rat zu zahlen.

Eine Emission von Schuldtiteln staatlicher Kreditnehmer über mehrere Mrd. Dollar bringt vielleicht eine hauchdünne Zahlung von 15 Basispunkten ein. Da kann es leicht vorkommen, dass ein Banker für einen Deal wirklich fast nur die Anerkennung in den Rennlisten vorzuweisen hat.

Es ist ein Teufelskreis. Um Marktanteile zu erhaschen, sind manche Banken eher bereit, gratis zu arbeiten. Bis der Markt allerdings ausgreift ist, könnte die blinde Jagd nach einem guten Platz in den Ranglisten auf Kosten des Gewinns gehen.

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