Asien
Die Armen werden reicher

Die revidierten Prognosen der Asian Development Bank deuten insgesamt auf eine Erholung des asiatischen Wachstums hin. Doch die wohlhabenden Länder wachsen langsamer als vor sechs Monaten vorhergesagt, während die ärmeren Volkswirtschaften der Region sich besser entwickeln.
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Die Handelsverzerrungen, die mit dem globalen Abschwung einhergehen, könnten sich als vorteilhaft für die ärmeren Nationen Asiens erweisen. Die revidierten Prognosen der Asian Development Bank (ADB) zeigen, dass sich das Wirtschaftswachstum in der Region insgesamt erholt. Aber die wohlhabenderen Länder wachsen langsamer als vor sechs Monaten vorhergesagt, während sich die ärmeren besser entwickeln.

Die Prognosen der ADB, mit denen vor sechs Monaten getroffene Vorhersagen auf den neuesten Stand gebracht werden, sind optimistischer, was das Potenzial für das Wachstum in Asien insgesamt angeht. Von Japan abgesehen erwartet die ADB einen Zuwachs um 3,9 Prozent für das laufende Jahr gegenüber den im Frühjahr prognostizierten 3,4 Prozent. Im kommenden Jahr soll das Plus bei revidierten 6,4 Prozent liegen gegenüber zuvor geschätzten 6,0 Prozent. Wenn dies zutrifft, dann durchläuft ein Großteil Asiens offensichtlich eine relativ schnelle Erholung, die sich mit dem Buchstaben V nachbilden lässt.

Da der Handel am Anfang des Jahres mehrere Monate lang um 30 Prozent unter Vorjahresniveau dahindümpelte, wäre es keine Überraschung, wenn sich die Handelsbeziehungen und - muster änderten, selbst dann noch, wenn eine Verbesserung Fuß gefasst hat. Langfristige Trends könnten durch die Handelsstörungen unversehens beschleunigt werden. Und umfassende Veränderungen bei den Marktanteilen könnten das Ergebnis sein.

Dies könnte durchaus eintreten, wenn die Zahlen der ADB als Leitfaden herangezogen werden können. Wohlhabende asiatische Länder wie Singapur, Taiwan und Hongkong müssen 2009 einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts verkraften. Die Schätzungen der ADB, was diese Einbrüche angeht, haben sich seit März noch einmal verschärft. Diese Entwicklung trifft auch auf zwei Länder mittleren Einkommens, nämlich Thailand und Malaysia, zu, die ohnehin bereits unter dem Kostenwettbewerb mit billigeren Nachbarn litten.

Andererseits verzeichneten die Länder mit den niedrigsten Arbeitskosten - Indien, Indonesien und Vietnam - im laufenden Jahr allesamt wirtschaftliche Zuwächse, wobei das Tempo der von der ADB erwarteten Zunahme seit März angezogen hat. Auch für China mit seinem enormen Pool an Arbeitskräften auf ganz unterschiedlichem Kostenniveau lassen sich bei der Wachstumsrate seit dem Frühjahr steigende Erwartungen feststellen.

Dies legt nahe, dass sich die Verlagerung der Fertigung in Länder mit niedrigen Arbeitskosten durch den Abschwung beschleunigt hat - vorausgesetzt, diese Länder bieten gleichzeitig ein relativ stabiles Geschäftsumfeld und eine zufrieden stellende Infrastruktur. Zwar handelt es sich nur um einen einzigen Datenpunkt, doch einige ärmere Volkswirtschaften könnten von den jüngsten Störungen tatsächlich profitieren und angetrieben werden. Sie könnten sich so schneller erholen und rascher wachsen als ihre reicheren Nachbarn.

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