Asien
Spritpreise nach oben, Ölpreis nach unten

Billiger Sprit kommt zwar den asiatischen Verbrauchern entgegen, aber die Regierungen können bei ihren Subventionen mit den stark steigenden Rohölpreisen nicht mithalten. Indien wird bald Indonesien und Taiwan folgen und die Endpreise erhöhen. Die Inflation könnte sich erhöhen und das Wachstum für eine kurze Zeit nachgeben, aber die niedrigere Nachfrage sollte den weltweiten Ölpreis nach unten drücken.

Der Wirtschaftsaufschwung asiatischer Volkswirtschaften hat mit dazu beigetragen, dass der weltweite Rohölpreis so stark gestiegen ist - aber die Verbraucher Asiens haben den Preis dafür nicht zahlen müssen. Festpreise bei den Kraftstoffen haben die Verbraucher vor den Rohöl-Ausschlägen geschützt. Das erfordert natürlich Subventionen, die den asiatischen Regierungen immer teurer zu stehen kommen. Jetzt ändert sich diese Politik. Indonesien und Taiwan haben die Kraftstoffpreise in der vergangenen Woche angehoben. Indien dürfte bald nachfolgen. China, das große Land, könnte sich auch bewegen, wird damit aber bis nach den Olympischen Spielen warten.

In Indien zeigen sich die Gefahren einer Kraftstoffpolitik, die auf Beihilfen aufbaut. Während die neuerdings wohlhabende Mittelschicht des Landes mit billigem Sprit im Tank spazieren fährt, müssen die staatlichen Erdölgesellschaften Indian Oil, Bharat Petroleum und Hindustan Petroleum, teure Kredite aufnehmen. Sie verlieren rund ein Drittel eines Dollar bei jedem Liter Benzin, den sie liefern, und einen halben Dollar bei jedem Liter Diesel. Ihre Verbindlichkeiten klettern rasant - Berichten zufolge um 800 Mill. Dollar pro Woche. India Oil will die Höchstgrenze für die Kreditaufnahme auf 800 Mrd. iR bzw. fast 19 Mrd. Dollar verdoppeln.

So kann das nicht weitergehen. Der Erdölminister Indiens, Murli Deora, scheint nun entschlossen, dem ein Ende zu setzen, obwohl er den politischen Widerstand gegen seine Pläne zu spüren bekommt, die Benzin- und Dieselpreise um rund ein Fünftel anzuheben. Es sieht ganz nach einem Kompromiss über eine Erhöhung um rund zehn Prozent aus. Damit lassen sich die Finanzen der Erdölgesellschaften zwar ein wenig aufbessern, aber der Schritt wird auch wirtschaftliche Nachteile mit sich bringen. Die indische Inflationsrate, die ohnehin schon auf 7,9 Prozent gegenüber sechs Prozent im Vorjahr gestiegen ist, könnte noch weiter vorrücken. Und das Wachstum, das sich im vierten Quartal um 8,4 Prozent erhöht hatte, könnte einen leichten Dämpfer verspüren.

Um diese negativen Auswirkungen abzuwenden, ist die Regierung versucht, die Verbraucher nun auf andere Weise abzuschirmen: Indem sie nämlich die Kraftstoffverbrauchssteuern senkt. Dies wäre ein Fehler. Der Regierung würden Einnahmen wegfallen, während die indischen Verbraucher wieder nicht genauer über die Kosten des Kraftstoffs, den sie verbrauchen, nachdenken müssten.

Aber die Tendenz ist eindeutig. Benzin und Diesel so heftig zu subventionieren, ist nicht durchzuhalten. Die asiatischen Regierungen werden dazu gezwungen sein, die hohen Ölpreise an die Verbraucher weiterzugeben. Während sie das tun, wird sich die Teuerung verschlimmern und der Ölverbrauch wird fallen. Aber eine niedrigere Nachfrage ist an sich nichts völlig Schlechtes. Sie könnte dabei helfen, den überteuerten Ölpreis nach unten ziehen.

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