Asien
Verständigung unter Drachen

Die weltweite Krise der Wirtschaft sorgt für eine Annäherung zwischen China und Taiwan. Das durch einen Exporteinbruch geschwächte Taiwan wird von einer Öffnung profitieren, weil frisches Kapital und zahlreiche Touristen aus China kommen werden. Auch China könnte gewinnen. Und zwar vor allem an politischer Macht.
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Die Finanzkrise wirft eine unerwartete geopolitische Dividende ab. Nach Jahrzehnten der Spannungen haben Vertreter Chinas und Taiwans in der vergangenen Woche eine Reihe von Strategien zur Zusammenarbeit angekündigt, die auch vorsehen, dass chinesische Investoren Gelder jenseits der Meerenge parken können. Die separatistischen Kräfte der demokratisch regierten Insel werden dies nicht gerne sehen - aber die taiwanesischen Märkte werden vom chinesischen Kapital und den verringerten politischen Risiken profitieren.

Taiwan wurde von einem dramatischen Einbruch der Exporte schwer in Mitleidenschaft gezogen. Der Außenhandel ist im April nach Schätzungen von Merrill Lynch um 31 Prozent nach unten gesackt. Damit dürfte sich die Wirtschaft der Insel 2009 auf eine Schrumpfung um sieben Prozent zu bewegen. Die Arbeitslosenquote liegt bei fast sechs Prozent und faule Kredite aus dem verarbeitenden Gewerbe belasten die Bankbilanzen. Die Kluft zu China zu überbrücken, ist zwar auch kein schnelles Mittel zur Genesung, doch könnten sich einige neue Quellen für künftigen Wohlstand auftun.

Ein Weg dahin führt über die Finanzen. Die chinesischen Institute verfügen über Spargelder ihrer Kunden im Überfluss, können davon aber bisher keinen Cent auf der anderen Meeresseite investieren. Der neue Plan aus Taipeh, ausgewählten chinesischen Anlegern den Kauf von notierten Aktien und Terminkontrakten zu erlauben, hatte innerhalb von zwei Tagen zu einem Anstieg der Börsenkurse um 14 Prozent geführt.

Ein weiteres Plus wäre der Tourismus. Visa-Beschränkungen und ein Mangel an Transportmöglichkeiten führen dazu, dass der Anteil des Tourismus am Bruttoinlandsprodukt Taiwans bei nur 1,5 Prozent verharrt - im Vergleich zu fast sieben Prozent in Hongkong. Vom chinesischen Festland kommen nur 300 000 Besucher auf die Insel, Hongkong besuchen 17 Millionen Festland-Chinesen. Dieser Abstand sollte sich durch die geplante Erhöhung des Angebots an Flügen und Schifftransfers verringern lassen.

Die Finanzkrise war nicht der einzige Anreiz für Taiwan, die Gespräche mit China aufzunehmen. Die USA, die traditionell über den Frieden in der taiwanesischen Meerenge wachen, wollen es nicht riskieren, China und damit ihren größten Gläubiger zu irritieren. Und geplante Freihandelsabkommen zwischen China, Südkorea und Japan senden weitere eindeutige Botschaften aus: Wenn Taiwan nicht einlenkt, werden dies eben andere tun.

Und jetzt könnte Peking über die Finanzen etwas erlangen, was mit Gewaltandrohung nicht zu erreichen war. Die engere Einbindung Taiwans wird die Insel nur umso abhängiger von den politischen Launen der Volksrepublik machen. Wenn erst einmal mehr Touristen vom Festland herbeiströmen, dann wird es den Verbrauch umso stärker treffen, wenn China droht, den Hahn wieder zuzudrehen. Mehr Investitionen bedeuten mehr Vermögenswerte, die beschlagnahmt werden können, wenn eine neue Eiszeit zurückkehrt.

Das könnte zu einem späteren Zeitpunkt zum Problem werden. Doch vorerst, während Taiwan nur wenige Optionen hat und China auf Bergen von Cash sitzt, darf mit einer immer stärker werdenden Annäherung zwischen diesen beiden Nachbarn gerechnet werden.

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