Australische CDOs
Der Käufer möge sich hüten

Mehrere australische Gemeinderäte wollen die Banken verklagen, die ihnen risikoreiche Wertpapiere angedreht haben. Aber wie alle anderen rund um den Globus, haben auch die Kommunalpolitiker diese Papiere gekauft, weil sie die höheren Renditen einstreichen wollten. Zum größten Teil sind sie selbst schuld.

Der Bezirksrat von Tumbarumba hat rund 70 Prozent seines Investmentpools über mehr als zehn Mill. Australische Dollar in Collateralized Debt Obligations (CDOs), also in Wertpapieren, die mit Anleihen, Krediten und anderen Vermögenswerten unterlegt sind, angelegt. Das klingt ziemlich daneben, auch wenn der Geschäftsführer des Gremiums der Meinung war, das Portfolio sei „vernünftig austariert“, wie die „Financial Times“ berichtet.

Der Rat hat sein Geld bei einer großen Investition namens Federation CDO, die sich auf US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität bezogen hatte, von Grange Securities, die die Papiere verkauft hatte, zurückbekommen. Einige andere Kommunalverwaltungen hatten bis jetzt noch nicht so viel Glück und überlegen dem Zeitungsbericht zufolge nun, ob sie gegen Lehman Brothers vor Gericht gehen sollen. Lehman Brothers hatte Grange in diesem Jahr übernommen. Aber in Wirklichkeit sind die Kommunalpolitiker zu einem großen Teil selbst schuld.

Sicher ist es möglich, dass die Wertpapierhäuser beim Verkauf der CDOs nicht immer alles so klar und deutlich erklärt haben, wie sie das vielleicht hätten tun sollen. Aber kleinere Gemeindeverwaltungen sollten eigentlich mehr Verstand haben, als in Instrumente zu investieren, deren Analyse scheinbar selbst für gut ausgestattete Rating-Agenturen nahezu unmöglich ist. Jedes Gerichtsverfahren, das sich daraus ergibt, geht wahrscheinlich weitgehend auf das Konto derjenigen Verantwortlichen, die versuchen ihren Job zu retten, indem sie mit dem Finger auf andere zeigen.

Traurigerweise wird sich, selbst wenn CDOs jetzt nicht mehr angesagt sind, wahrscheinlich derselbe Vorgang bei dem nächsten komplizierten Investmentprodukt wiederholen, das in Mode kommt. Das Problem ist die Gier. Gemeinderäte und andere Investoren auf der ganzen Welt zielen verständlicherweise darauf ab, ihre Erträge zu maximieren. Weniger verzeihlich ist, dass sie dabei nicht genug Fragen stellen. Im Falle von Tumbarumba hatte sich Grange bereit erklärt, den Federation-CDO zum Nennwert zu liquidieren. Da hat der Bezirksrat noch einmal Glück gehabt. Aber statt mit sich selbst ins Gericht zu gehen, wurden die Ratsmitglieder in einem Bericht über die Angelegenheit im August selbstgefällig daran erinnert, dass die Investitionen fast einen Prozentpunkt mehr abgeworfen hatten, als der Swap-Satz der Bankwechsel - bis der Wert der Schuldtitel in sich zusammensackte.

Die staatlich verwalteten Investmentpools von Florida waren aus ähnlichen Gründen über die Kredite von Investmentvehikeln für strukturierte Produkte gestolpert. Die Strukturen hinter solchen Wertpapieren sind teuflisch kompliziert. Gewiss konnte von den Vertretern eines kleinen Bezirks im Schatten der australischen Snowy Mountains nicht erwartet werden, dass sie diese Instrumente verstehen. Die Beamten und ihre Kollegen hätten ihre Unzulänglichkeiten erkennen müssen und vermeiden sollen, dieser Versuchung nachzugeben. Die CDOs mögen Neuheiten gewesen sein. Nichts Neues aber ist an einer der verlässlichsten Maximen überhaupt: Caveat emptor – Der Käufer möge sich hüten.

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