Auswirkungen der Kreditkrise
Alles doch nicht so schlimm?

Die Anleger sind offenbar der Meinung, dass die massiven Verluste, die durch die US-Kreditkrise diesen Sommer entstanden sind, zu managen sind. Obwohl der Schaden sich auf viele Milliarden Dollar beläuft, scheint dieser Optimismus angebracht zu sein.

Die Zahlen sind immer noch ein wenig mitgenommen, aber wenn die Ankündigungen der Großbanken und Brokerhäuser dieser Woche im gleichen Stil weitergehen, werden die gesamten Verluste, die durch die Krise auf dem US-Hypothekenmarkt von Juli bis September entstanden sind, sich auf rund 30 Milliarden Dollar belaufen. Darin eingerechnet sind bereits Kursverluste von Aktien und Entschädigungen. Am problematischsten und verantwortlich für den größten Schmerz sind Anleihen und Bonds aus kreditfinanzierten Übernahmen und zweitklassige Hypothekenkredite.

Es sieht so aus, als seien die Verluste aus den kreditfinanzierten Übernahmen nun gänzlich verdaut. Die Banker schreiben die Hälfte der Verluste diesem Segment zu. Die 15 Milliarden Dollar stehen für fünf Prozent der insgesamt 300 Milliarden Dollar Schulden durch Unternehmensaufkäufe, die in den Bilanzen der großen Bankhäuser stehen.

Der Schaden durch die faulen US-Hypothekenkredite ist eine andere Sache. Die Schätzungen für diese Verluste liegen in der Größenordnung von 100 Milliarden Dollar. Diese Verluste machen sich jedoch nur sehr langsam bemerkbar. So richtig durchschlagen werden sie wohl erst im nächsten Jahr, also 2008.

Aktienpreise können fallen, bevor die Verluste überhaupt realisiert wurden, die Anleihen, die mit Hypotheken unterlegt sind, haben den Markt jedoch nur langsam und noch nicht vollständig erreicht. Zum Ende des Berichtsquartals werden die gesamten angekündigten Verluste der Banken und Investoren vermutlich weniger als 25 Milliarden Dollar betragen.

Sicherlich werden die großen Banken nicht alles von den verbleibenden Verlusten in Höhe von 75 Milliarden Dollar auffangen müssen. Durch die Verbriefung wollten die Banken vor allem die Kreditrisiken aus ihren Büchern bekommen. Selbst wenn die Finanzinstitute nur die Hälfte des Verlustes schlucken müssen, werden diese die Bilanzen höchstens noch ein bis zwei Quartale belasten. Das ist zwar schlimm, aber nicht Existenz bedrohend.

Die Unwägbarkeiten der zweitklassigen Hypothekendarlehen erscheinen also nicht besonders Furcht einflößend. Allerdings gehen die Einschätzungen davon aus, dass die USA auf keine Rezession zusteuert und dass der durchschnittliche Preis für Eigenheime nicht um mehr als fünf bis zehn Prozent fallen wird. Wenn sich nur eine dieser Annahmen als zu optimistisch erweist, könnten die Verluste für die Banken doch sehr viel höher ausfallen.

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