Autohersteller
Nicht nachlassen, Ford

Ford hat bei seiner Umstrukturierung Fortschritte erzielt. Das lässt sich an den Zweitquartalsergebnissen ablesen. Der US-Autobauer konnte zudem Marktanteile hinzugewinnen. Aber die in den Insolvenzverfahren rationalisierten Konkurrenten Chrysler und GM haben sich zurückgemeldet. Um längerfristig im Wettbewerb bestehen zu können, muss Ford seinen Schulden reduzieren – je früher, desto besser.
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Ford sollte sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Der US-Autobauer hat bei der Umstrukturierung des Betriebs und seiner Bilanz Fortschritte erzielt, und zwar ohne die Hilfe der Regierung oder der Insolvenzgerichte in Anspruch zu nehmen. Zudem hat der Autohersteller Marktanteile hinzugewonnen. All dies lässt sich an den besser als erwartet ausgefallenen Zweitquartalsergebnissen ablesen. Aber um längerfristig im Wettbewerb bestehen zu können, hat Ford immer noch viel Arbeit vor sich.

Das Problem besteht darin, dass Ford einen der Hauptvorteile verloren hat, den der Autobauer im vergangenen Quartal genossen hatte. Einen Großteil des Zuwachses an Marktanteilen steuerten Kunden bei, die vor Chrysler und General Motors zurückschreckten, während diese Unternehmen zunächst vor der Pleite standen und sich dann durch die Insolvenzverfahren ackerten. Dadurch konnte Ford auch seine Preisgestaltung verbessern, indem die Firma geringere Rabatte anbot.

Da beide US-Konkurrenten ihre Insolvenzverfahren abgeschlossen haben, wird sich der Wettbewerb vermutlich wieder intensivieren. Zugegeben, alle drei Autohersteller dürften mehr oder weniger stark profitieren, sobald sich der US-Autoabsatz gegenüber dem derzeit bescheidenen Niveau von etwa zehn Mill. Fahrzeugen im Jahr wieder erholt. Aber niemand kann sagen, wie lange dies dauern wird.

Auf jeden Fall schleppt Ford immer noch Belastungen aus der Vergangenheit mit sich herum, die Chrysler und GM in ihren zügigen, von der US-Regierung unterstützten Insolvenzen abgeschüttelt haben. Das Händlernetz von Ford ist immer noch zu groß. Und trotz der Übereinkünfte, die im vergangenen Quartal mit den Gewerkschaften, Anleiheinhabern und Geldgebern getroffen wurden, sitzt der Autobauer immer noch auf einem Schuldenberg von 26 Mrd. Dollar. Die Firma wird demnächst noch einmal sechs Mrd. Dollar beim US-Energieministerium aufnehmen und schuldet dem Gesundheitsfonds der Gewerkschaft immer noch elf Mrd. Dollar.

Abhängig von den Verlusten, die sich bis zum Jahresende herauskristallisieren, könnte das Unternehmen, abzüglich der Barmittel, das Jahr 2010 mit Verbindlichkeiten antreten, die mindestens das Dreifache dessen betragen, was Ford nach Schätzungen von JP Morgan als Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen ausweisen könnte. Das entspricht mindestens dem Doppelten des Vielfachen der frisch rationalisierten GM - und mehr, wenn man die liquiden Mittel von GM berücksichtigt.

Dadurch gerät Ford finanziell ins Hintertreffen. Zwar verfügt das Unternehmen immer noch über 20 Mrd. Dollar an Cash, um damit den Abschwung zu überstehen. Außerdem wurde für Ford in jüngster Zeit mächtig die Werbetrommel gerührt - angefangen bei positiven Bewertungen seiner Modelle in der Presse bis zu einem beifälligen Nicken des US-Präsidenten in Richtung des Unternehmens. Aber Ford muss unbedingt die Schulden kürzen, entweder durch einen weiteren Schuldenswap oder indem die Firma noch einmal Stammaktien verkauft - oder beides. Sicher, dies würde die Aktionäre einer Verwässerung aussetzen. Aber sie würden dann die Gewissheit haben, dass Ford so in einer besseren Ausganglage wäre, um längerfristig effektiv wettbewerbsfähig zu bleiben. Je früher das Management handelt, desto besser.

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