Autoindustrie
Schaeffler Conti: Wenn Macht korrumpiert

Gewöhnlich setzen Mehrheitsaktionäre ihren Willen durch, ohne auf große Gegenwehr zu stoßen. Doch der Vorstoß von Schaeffler, den Continental-Chef aus dem Amt zu drängen, wurde durch den Widerstand im Aufsichtsrat vorerst verhindert. Durch den Machtkampf zwischen den beiden überschuldeten Autozulieferern wird es immer schwerer, eine dauerhafte Lösung zu finden.
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Der Griff nach der Macht wirkt manchmal befremdlich. Die Schlacht zwischen Schaeffler und Continental, den beiden überschuldeten Autozulieferern, liefert dafür das perfekte Beispiel. Erneut hat das Machtgerangel eine Werte zerstörende Wende genommen.

Nach acht Stunden der Verhandlungen hatte der Aufsichtsrat von Continental am Donnerstagabend eine dringend benötigte Kapitalerhöhung über 1,5 Mrd. Euro abgesegnet. Schaeffler, der nicht notierte Mehrheitseigner von Continental, hatte andere Pläne. Das fränkische Familienunternehmen ging zum Gegenschlag über und versuchte, den Conti-Chef abzuberufen. Eine dauerhafte Lösung scheint nun in noch weitere Ferne gerückt zu sein.

Die Entscheidung von Schaeffler, sich des Spitzenmanns bei Conti zu entledigen, kam nicht überraschend. Seitdem ihre Übernahme-Offerte gescheitert war, sinnen die Franken nun schon über Möglichkeiten nach, sich die vollständige Kontrolle über Conti zu verschaffen. Schaeffler hatte sich heftig verschuldet, um 90 Prozent der Aktien zu kaufen – die jetzt weit im Abseits notieren -, ist aber rechtlich auf einen Anteil von nur 49,9 Prozent beschränkt.

Der Widerstand im Conti-Aufsichtsrat hat die Schaefflers – Mutter und Sohn sind die beiden beherrschenden Anteilseigner – unvorbereitet getroffen. Die Arbeitnehmervertreter des Gremiums gingen in Stellung und versagten den Mehrheitsaktionären die Zweidrittel-Mehrheit, die für eine Ablösung von Karl-Thomas Neumann notwendig gewesen wäre. Mit den Vorgängen Vertraute berichteten, die Eindringlinge seien sich dieser Regelung nicht bewusst gewesen, als sie den Antrag vorlegten.

Letztendlich wird der Aufsichtsrat Neumann entthronen. Nach einem Vermittlungsverfahren von zwei Wochen wird erneut abgestimmt. Dann reicht eine einfache Mehrheit, um Neumann abzusetzen. Und der Aufsichtsratschef, der nun auf der Seite von Schaeffler steht, hat in der zweiten Runde ein Doppelstimmrecht. Das reicht, um den Ausschlag zu geben.

Continental mag vielleicht bald den Chef verlieren, aber das Unternehmen hat am Donnerstagabend eine wichtige Schlacht gewonnen. Die Kapitalerhöhung von 1,5 Mrd. Euro lag am oberen Ende der Erwartungen. Wenn das Geld eingesammelt werden kann, wird der Zulieferer in einer besseren Ausgangsposition sein, um seine erste größere Schuldenhürde in Angriff zu nehmen – es handelt sich um 3,5 Mrd. Euro, die im August 2010 fällig werden.

Aber die Investoren und Kapitalgeber werden vielleicht zögern, neues Geld in eine Firma zu stecken, deren Mitarbeiter sich mit Händen und Füßen gegen die neuen Eigentümer wehren, die selbst in finanziellen Nöten stecken. Die Geldgeber könnten vielleicht sogar in der Lage sein, den Wechsel im Management dafür zu instrumentalisieren, die Darlehen zurückzufordern, die die Beteiligungen von Schaeffler an Conti absichern.

Der neue Boss wird sich ranhalten müssen.

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