Autokrise
GM: Immer noch zu rosig

US-Präsident Obama geht davon aus, dass GM eine kurze Insolvenz zur Schuldenreduzierung ausreicht. Dies wird nicht funktionieren. Will der Autobauer je wieder rentabel arbeiten, muss er schrumpfen. Trotz der gegenteiligen Beteuerungen des Präsidenten könnte eine Aufspaltung nötig werden.
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Die harten Worte, die US-Präsident Obama auf Detroit niederprasseln ließ, sind nicht weit genug gegangen. Zwar hat er eine unabhängige Chrysler für tot erklärt und sich mit dem Gedanken angefreundet, General Motors (GM) in die Insolvenz zu zwingen, sollte es den Führungskräften des Autobauers nicht gelingen, mit überzeugenden Sanierungsplänen aufzuwarten. Und er hat sogar die Entfernung des langjährigen GM-Chefs Rick Wagoner von dessen Posten abgesegnet. Doch trotz seiner Tiraden hat Obama immer noch zu rosige Vorstellungen von der Zukunft von Motown.

Vergessen wir die Sätze, in denen Obama die Autoindustrie "als ein Emblem des amerikanischen Geistes, als ein Symbol für Amerikas Erfolg in der Vergangenheit und in der Zukunft" beschreibt, oder als "Säule unserer Wirtschaft, die die Träume von Millionen unserer Mitmenschen gestützt hat". Dies sind nur die üblichen bedeutungslosen Worthülsen, die die Politiker ihren Zuhörern aufbürden.

Aber Obama und seine unabhängige Autokommission scheinen sich selbst davon überzeugt zu haben, dass eine kurze, heftige Insolvenz, um die Verbindlichkeiten von GM umzustrukturieren, als Allheilmittel funktioniert. Das wird sie nicht. Die Schulden des Autoproduzenten sind sicherlich eine Belastung. Aber selbst wenn GM die Insolvenz dazu nutzen würde, um sich von allen unbesicherten Anleihen und den Kosten für die Gesundheitsversorgung aus der Vergangenheit zu befreien, würde die Firma immer noch auf einem Riesenberg von Schulden in der Bilanz sitzen - auf den Notkrediten der US-Regierung, die in diesem Jahr 30 Mrd. Dollar erreichen könnten.

Zudem gehen die Analysten immer noch davon aus, dass GM auch in den kommenden drei Jahren Geld verlieren wird. Das heißt, die Wahrscheinlichkeit, dass GM sogar noch weitere Unterstützung braucht, ist ziemlich hoch - es sei denn, eine verblüffende Erholung beim Auto-Absatz stellt sich ein.

Um wieder einen Gewinn erzielen zu können, muss GM seinen Betrieb radikal verkleinern. Die Spitzenkräfte der Firma haben als Teil ihres Sanierungsplans bereits die Reduzierung der Anzahl der US-Marken auf vier vorgeschlagen. Doch das dürfte nicht genügen. Selbst der Prüfbericht über die GM-Pläne, den Obamas Arbeitsgruppe verfasst hat, geht davon aus, dass diese Kürzungen nicht ausreichen und dass die Annahmen von GM über den Verlust von Marktanteilen zu optimistisch sind.

Also muss GM entweder eine ganze Menge mehr Autos verkaufen, was höchst unwahrscheinlich erscheint, oder noch einmal den Rotstift ansetzen, um die Kosten für Arbeitnehmer, Fabriken und Händler noch weiter zu senken.

Doch das wird bei einer kurzen Insolvenz, die auf die Schuldenreduzierung ausgelegt ist, nicht herausspringen. Der Gläubigerschutz müsste viel länger dauern. Und vielleicht ist sogar eine Aufspaltung nötig. Beides hat Obama abgelehnt. Beide Maßnahmen könnte sich auch als kostspielig für die Steuerzahler erweisen. Aber wenn Obama will, dass GM in irgendeiner Form überlebt, dann muss er die Firma einer radikaleren Operation unterziehen als er dies derzeit anstrebt.

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