Axel Springer
Zurück zu den Anfängen

Axel Springers Bemühungen, das Verlagsgeschäft zu diversifizieren, haben sich als Desaster erwiesen. Der deutsche Verlag, der sich schon mit den beschämenden Verlusten aus der Pleite mit dem Pin-Postprojekt abfinden muss, scheint nun auch noch gezwungen zu sein, seinen Zwölf-Prozent-Anteil am Sender Pro Sieben Sat 1 billig abzugeben.

Axel Springers Bemühungen, das Verlagsgeschäft zu diversifizieren, haben sich als Desaster erwiesen. Der deutsche Verlag, der sich schon mit den beschämenden Verlusten aus der Pleite mit dem Pin-Postprojekt abfinden muss, scheint nun auch noch gezwungen zu sein, seinen Zwölf-Prozent-Anteil am Sender Pro Sieben Sat 1 billig abzugeben.

Fünf Jahre lang führte Springer-Vorstand Mathias Döpfner das Zepter in der Hand, jetzt sieht es so aus, als sei er nach einem Ausflug um den Block wieder am Ausgangspunkt angelangt.

Das schlechte Timing für den Ausstieg aus Pro Sieben kommt Springer teuer zu stehen. Das deutsche Medienunternehmen verkauft seinen Zwölf-Prozent-Anteil für durchschnittlich 19,40 Euro pro Aktie oder insgesamt 509 Millionen Euro an die Investoren KKR und Permira. Beide sind auch an Springer beteiligt. Die Beteiligungsgesellschaften zahlen bei diesem Preis pro Aktie 20 Prozent weniger als Springer 2006 für den Sender bot, bevor der Deal von den Wettbewerbshütern unerwartet verhindert wurde. Und noch vor sechs Monaten war Springers Anteil rund 200 Millionen Euro mehr wert, damals standen Pro Sieben Sat 1-Aktien noch bei 30 Euro.

Dummerweise reichen die mageren Erlöse nicht einmal, um die potenziellen Verluste von 680 Millionen Euro auszugleichen, die der 64-Prozent-Anteil an der Pin AG wohl einbringen wird. Vor sechs Monaten noch zahlte der Verlag 510 Millionen Euro, um seinen Pin-Anteil von 24 auf 72 Prozent aufzustocken und hoffte mit der Investition einmal ein Drittel seines Umsatzes zu bestreiten. Jetzt aber, nachdem die deutsche Regierung die Einführung eines hohen Mindestlohnes beschlossen hat, ist es nahezu aussichtslos mit dem Marktführer Deutsche Post zu konkurrieren.

Springers kurze Post-Affäre war innerhalb des Konzerns von Anfang an umstritten. Der Ausflug ins Postgeschäft hätte noch hohe Investitionen erfordert. Die Veränderungen im deutschen Lohngefüge haben wohl lediglich einen Vekauf der Pin AG an den holländischen Konkurrenten TNT verhindert. Was aber ein Ausstieg ohne Verluste hätte werden können, scheint nun das Aus für Springers Diversifikationsstrategie zu bedeuten.

Döpfners öffentlichkeitswirksames zweimaliges Versagen Springer zu diversifizieren, hat Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit aufkommen lassen. Springer generiert zwar inzwischen 8 Prozent seiner Umsätze aus dem Online-Verlagsgeschäft, aber alle Aktivitäten außerhalb des Kerngeschäfts erwiesen sich bisher als Flop. Trotz aller Anstrengungen Döpfners sieht Springer heute nicht viel anders aus als früher.

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