BA/Qantas
Geteiltes Leid

"Zusammenschluss unter Gleichen", das klingt so einfach. Wenn zwei Unternehmen mehr oder weniger den gleichen Marktwert haben, worin liegt dann der Anreiz zu einer möglichen Fusion? Stellen Sie sich einen Aktientausch vor – und schon profitieren beide Seiten von Skaleneffekten und Verbundgeschäften. Das Ende der Fusionsgespräche zwischen British Airways und dem australischen Konkurrenten Qantas legt allerdings die Vermutung nahe, dass Verhandlungen in Zeiten des wirtschaftlichen Abschwungs viel schwieriger sind.

Die Fluglinien konnten sich nicht über einige grundlegende Konditionen einigen, wobei die Hauptpunkte der Diskussion noch nicht einmal ungewöhnlich waren. Führungsrolle, Unternehmensbewertung und Firmensitz standen zur Diskussion. In manchen Punkten war man sich nahezu einig - über BAs Pensionsfonds-Defizit und die doppelte Börsenzulassung, die notwendig gewesen wäre, um den australischen Eigentumsvorschriften für Airlines zu genügen - aber es fehlte die notwendige Dynamik, um den Deal auch zum Abschluss zu bringen.

In wirtschaftlich stabileren Zeiten wäre die Einigung wohl leichter gefallen. Dann nämlich vertrauen Manager stärker auf die positiven Effekte und sind weniger skeptisch gegenüber dem Wert des potenziellen Partners. Sie verlassen sich stärker auf ihren wirtschaftlichen Instinkt und bringen damit die Energie auf, Meinungsdifferenzen zu überwinden.

Für die BA - und Qantas-Aktionäre muss der Abbruch der Gespräche keine Katastrophe bedeuten. BA kann sich immer noch mit der spanischen Iberia einigen und Quantas könnte versuchen, etwas weniger ambitionierte regionale Partnerschaften in Asien einzugehen. Auch eine aktionärsfreundliche Dreierlösung - BA, Iberia und Quantas - ist noch denkbar.

Allerdings lässt der Fehlschlag dieses potenziell sinnvollen Zusammenschlusses vermuten, dass auch andere aktienbasierte Fusionen schwer durchzusetzen sein werden. Investmentbanker haben im Gegensatz dazu eine Fusionswelle vorausgesagt: die Starken werden die Schwachen schlucken und die Schwachen werden sich zusammenkuscheln, um auch etwas Wärme abzubekommen. Die Banker rechnen damit, dass die Unternehmen dabei auf Prämien verzichten werden, die noch während des Finanzbooms üblich waren.

Noch könnte es tatsächlich dazu kommen. In einer Rezession wird man in den Unternehmen besonders scharf über geeignete Schutzmaßnahmen nachdenken und ein Fehlschlag heißt auch noch nicht, dass nun alle Aktiendeals vom Tisch sind. Hinzu kommt, dass ein Aktientausch auch der natürlichste Weg ist, eine Fusion über die Bühne zu bringen, wenn Kredite nicht gerade überreichlich zur Verfügung stehen. Aber die natürliche Geburt ist auf der anderen Seite auch oft die beschwerlichste.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%