Babcock & Brown
Australiens letztes Top-Modell

Die Banken haben die Kontrolle über Babcock & Brown übernommen. Die Aktionäre und Inhaber nachrangiger Anleihen haben das Nachsehen. Macquarie, der größere Konkurrent, dem B&B nachgeeifert hatte, leidet zwar, befindet sich aber nicht in einer ausweglosen Situation. Trotzdem hat der Niedergang der australischen Investmentfirma ernste Zweifel an solchen mit Fremdkapital überfrachteten Strukturen aufgeworfen.

Macquarie zu imitieren, ist alles andere als vorteilhaft. Das undurchsichtige, komplexe und mit Fremdkapital überfrachtete Geschäftsmodell der australischen Investmentfirma diente als Inspiration für ihre kleinere einheimische Konkurrentin Babcock & Brown (B&B) - mit katastrophalen Folgen.

Die Kapitalgeber zwingen jetzt B&B dazu, ihr Portfolio an Vermögenswerten im Bahn -, Immobilien- und Energiesektor abzustoßen, um in den kommenden zwei Jahren ein Drittel ihrer Verbindlichkeiten über 3,3 Mrd. austrDollar zurückzuzahlen.

Die Aktionäre, die noch vor gar nicht langer Zeit eine Firma im Wert von zwölf Mrd. austrDollar ihr eigen nannten, haben alles verloren. Den Inhabern nachrangiger Anleihen droht ein ähnliches Schicksal, da die seit 32 Jahren bestehende Gruppe kurz vor der Zwangsverwaltung steht.

Das Tempo des Niedergangs von B&B scheint eng mit Fehlern zusammenzuhängen, die in dem von Macquarie inspirierten Geschäftsmodell zu finden sind, bei dem Mittel aufgenommen werden, um Infrastruktur-Vermögenswerte zu kaufen, die an notierte und nicht notierte Satellitenfonds ausgegliedert werden. Das ausufernde Kreditportfolio von B&B erwies sich als derart kompliziert, dass die 25 Gläubiger keinen zufriedenstellenden Weg finden konnten, die Gruppe, wie ursprünglich beabsichtigt, über einen Debt-for-Equity-Swap, bei dem Schuldtitel in Aktienkapital umgewandelt werden, umzustrukturieren. Die Banken haben B&B nun bis 2018 Zeit gegeben, um die anderen zwei Drittel ihrer Verbindlichkeiten zurückzuzahlen.

Angesichts der Ereignisse bei B&B werden die Kapitalgeber von Macquarie schwer ins Grübeln gekommen sein, wie die Konditionen künftiger Kreditengagements gestaltet werden sollen. Macquarie leidet auch, wenngleich die Investmentfirma sich nicht in einer vergleichbar misslichen Lage zu befinden scheint. Die Gruppe hatte mitgeteilt, dass die Gewinne zum ersten Mal in 17 Jahren fallen werden, wobei der Rückgang bei 50 Prozent liegen könnte. Die Titel von Macquarie haben gegenüber ihrem Spitzenstand von Mitte 2007 rund 76 Prozent verloren.

Es ist möglich, dass das B&B-Management einfach schlechter gearbeitet hat und nicht in der Lage war, den am laufenden Band Gebühren abwerfenden Hochseilakt billiger Kredite mitten in diesem Sturm fallender Werte und illiquider Märkte über die Bühne zu bringen. B&B litt zudem unter dem Fluch des Gewinners, der sich mit dem Desaster vergleichen lässt, das die Royal Bank of Scotland mit ABN Amro erlebt hat, nachdem die Australier Macquarie im März 2007 ausgebootet und die Energie-Gruppe Alinta für neun Mrd. austrDollar zu Markthöchstpreisen erworben hatten.

Aber Macquarie ist immer noch ein mit Fremdkapital zugestelltes Labyrinth. Schlimmer noch: Die Firma hält ihre undurchsichtigen Bewertungsmodelle weiterhin unter Verschluss. Nach ihren eigenen Angaben hätten Abschreibungen zu der jüngsten Gewinnwarnung geführt, ohne dass sie mehr darüber preisgibt, als dass ihre zwei größten Infrastrukturfonds nicht nach Marktpreisen abgewertet werden würden. Das Management hat sich hinsichtlich der Liquiditäts- und Kapitalsituation zuversichtlich geäußert, aber Macquarie muss erst noch beweisen, dass ihr Modell wirklich Bestand hat.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%