BAE
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Mike Turner gelang es, die angeschlagene Beziehung des Rüstungskonzerns BAE zu seinen Kunden wieder zu kitten und in den USA auf Wachstumskurs zu gehen. Überzeugend vielleicht für die Aktionäre – aber nicht den Aufsichtsrat. Dort hofft man, mit der Amtsenthebung Turners endlich mit dem Schmuddelimage BAEs aufzuräumen.

Mike Turner hat einige Schlachten gewonnen, den Krieg aber scheint er verloren zu haben. Im kommenden August wird der Vorstandsvorsitzende von BAE im zarten Alter von 60 Jahren in den Ruhestand gehen, auch wenn er erst vor zwei Monaten verkündete, für weitere fünf Jahre das Ruder der britischen Rüstungsgruppe führen zu wollen. Vor dem Hintergrund der häufigen Berichte über Reibereien zwischen Turner und Verwaltungsratschef Dick Olver überrascht die einstimmige Entscheidung nicht, seine fünfjährige Amtszeit zu beenden. Wahrscheinlich hofft man bei BAE auch, mit der Trennung von Turner der Welt ein neues Gesicht präsentieren zu können und Abstand von den Bestechlichkeitsvorwürfen zu gewinnen, die das Unternehmen in den vergangenen Jahren hartnäckig verfolgt haben.

Die Aktionäre allerdings haben Turner viel zu verdanken. Er stand hinter BAEs Expansion in die USA und verringerte damit die Abhängigkeit des Unternehmens von den britischen Rüstungsausgaben. Er kaufte die amerikanischen Anbieter Armor Holdings und United Defense und gewann damit ein großes Stück von den Rüstungsausgaben des Pentagons. Erst kürzlich unterzeichnete BAE einen Vertrag mit Saudi Arabien über die Lieferung von Typhoon Kampfflugzeugen im Wert von fünf Milliarden britischen Pfund im Voraus. Seit Dezember 2002, als Kostenüberschreitungen BAEs Kassen auf den niedrigsten Stand seit Jahren drückten, konnte sich der Aktienkurs mehr als vervierfachen.

BAEs Zukunft erscheint inzwischen in einem ganz neuen Licht. Während Turner energisch in neue Territorien expandierte, muss BAE jetzt sein Geschäft auf bereits bestehenden Gebieten ausbauen. Mehr noch, im Unternehmen muss aufgeräumt werden. BAE steht eine Untersuchung durch die amerikanische Justizbehörde ins Haus, die Vorwürfen über Schmiergeldzahlungen nachgeht, die angeblich gezahlt wurden, um die Saudi-Kontrakte zu erhalten. Die Rückwirkungen könnten erheblich sein, zumal heute 40 Prozent der BAE-Umsätze aus Nordamerika stammen. Ein Wechsel an der Führungsspitze wird dieses Risiko nicht beseitigen - er könnte es BAE aber erleichtern, glaubwürdig zu versichern, dass inzwischen neue Seiten in der Unternehmensgeschichte aufgeschlagen wurden.

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