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Bafin: Quantitative Stichelei

Über eine undichte Stelle sickerte der Inhalt eines Bafin-Memos über die Größenordnung der Problemwerte in den Bankbilanzen nach außen. Sie sorgte für eine Menge Aufregung. Aus der Aufsichtsbehörde heißt es, die veröffentlichte Zahl von 816 Milliarden Euro verzerre die Realität. Aber statt die undichte Stelle zu suchen und die Lücke zu schließen, wären ein paar klärende Worte effektiver.

von Jeffrey Goldfarb (Breakingviews)

Die deutschen Bad-Bank-Pläne sind noch nicht in trockenen Tüchern, da stiftet ihre Größenordnung schon massive Verwirrung. Eine undichte Stelle in der für das Kreditwesen zuständigen Aufsichtsbehörde Bafin hat Befürchtungen über die mögliche Größenordnung der betroffenen Problemwerte geweckt. Eine deutsche Tageszeitung gab die durchgesickerte Zahl mit 816 Milliarden Euro an – mehr als ein Viertel der deutschen Wirtschaftsleistung. Allein bei der Hypo Real Estate stünden die notleidenden Vermögenswerte mit 268 Milliarden Euro zu Buche, bei der Commerzbank seien es noch einmal 101 Milliarden, zitiert die Zeitung das geheime Bafin-Memo.

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Die Aufsichtsbehörde behauptet, diese Zahlen seien fehlinterpretiert. Die „Hausnummer“ repräsentiere nicht die „toxischen“ Werte, sondern lediglich die Kategorien, die potenziell in den noch unausgegorenen Bad-Bank-Ansatz einbezogen werden könnten, darunter zum Beispiel auch Kredite an den öffentlichen Sektor. Zudem betonen Bafinvertreter, dass die individuellen Bankenschätzungen nicht direkt vergleichbar seien, da die „Schätzungen permanten Veränderungen unterliegen“.

Aber so weit hergeholt erscheint die Zahl nicht. Nimmt man strukturierte Kreditprodukte, gewerbliche Immobilienkredite und anderen Schlick, der noch in den deutschen Banken liegt, dann liegen die Schätzungen zumindest einer Bank sogar eher bei 900 Milliarden Euro. Die Zahl passt auch zu den düsteren Prognosen, die jüngst vom Internationalen Währungsfonds veröffentlicht wurden. Nach seinem Bericht haben die US-Banken in der Zwischenzeit ihre Problemkredite zur Hälfte abgeschrieben, während in Europa erst ein Fünftel wertberichtigt wurde.

Dennoch ist die Verunsicherung gut nachvollziehbar, da die deutschen Behörden immer noch über ihren Bad-Bank- Plänen und der Frage brüten, welche Vermögenswerte den nun eingeschlossen werden sollen. Weniger klar ist allerdings, warum das Bafin die offensichtlich so wenig aussagekräftigen Daten für das Finanzministerium zusammentrug.

Jetzt aber könnte das Bafin mehr tun, als lediglich die undichte Stelle zu suchen und auszumerzen und sich hinter dem deutschen Bankenrecht zu verschanzen, das angeblich eine Veröffentlichung des Memos verbietet. Es liegt im Interesse der Banken und der Aufsichtsbehörde – vor allem, wenn die Informationen bereits durchgesickert sind und offenbar fehlinterpretiert werden – am Markt für größtmögliche Klarheit zu sorgen.

Vor dem Hintergrund des düsteren, unterkapitalisierten deutschen Bankensektors ist ein wenig Unterstützung bei dem Versuch Licht ins Dunkel zu bringen, das Mindeste, was Anleger erwarten dürfen.

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