Banc of Amerca
Der letzte König von Charlotte?

Wider Erwarten hat Ken Lewis bisher bei der BofA überlebt. Doch jetzt sagen ihm Politiker offen ins Gesicht, dass sie ihm nicht glauben. Die Aufsicht wirft dem Chef der größten US-Bank bei der Übernahme von Merrill Lynch Unaufrichtigkeit vor. Und neue Board-Mitglieder machen ihm das Leben schwer. Lewis scheint in die Isolation abzudriften.
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Bis jetzt hat Ken Lewis wider Erwarten als Chef der Bank of America (BofA) überlebt. Doch nun sagt ihm ein Politiker nach dem anderen offen ins Gesicht, dass er ihm nicht glaubt. Die Aufsichtbehörden sind der Ansicht, dass Lewis bei der Akquisition von Merrill Lynch durch die BofA unaufrichtig war. Und neue Board-Mitglieder dürften ihm zusetzen. Da viele Aktionäre ohnehin schon außer sich vor Wut sind, könnte ihm die Kontrolle entgleiten.

Bankchefs müssen sich das Vertrauen der Kunden, Investoren, Aufsichtsbehörden und ihres Vorstands erhalten. Was die größte Bank Amerikas in Zeiten der Rettung des Bankensektors durch die US-Regierung angeht, so ist es zudem hilfreich, dauerhaft das Vertrauen der Politiker zu gewinnen.

In dieser Hinsicht sollte die Aussage von Ken Lewis vor dem Aufsichtsausschuss des US-Repräsentantenhauses am Donnerstag die Alarmglocken klingeln lassen. Die Befragung konzentrierte sich darauf, wie viel oder wie wenig die BofA über die sich anhäufenden Verluste bei Merrill wusste, als die Aktionäre den Deal absegneten - und zwar kurz bevor Lewis sich Regierungsbeihilfen in Milliardenhöhe sicherte. Offen und über die Parteien hinweg zeigten die Politiker, dass sie Lewis? Einlassungen keinen Glauben schenkten. Der demokratische Kongressabgeordnete Cummings sagte: "Das kaufen wir Ihnen nicht ab", während ein Republikaner scherzte: "Wenn Sie zustimmen, es aber nicht offen zugeben können, wackeln Sie mit dem kleinen Finger".

Wie sich aus E-Mails, die von dem Ausschuss ausgegraben worden waren, ergibt, waren die Aufsichtsbehörden zur Zeit der Rettungsverhandlungen der Ansicht, einige von Lewis? Behauptungen seien "etwas suspekt". Dazu zählt auch die Beteuerung, die Bofa wäre von der plötzlichen Beschleunigung der Verluste von Merrill schockiert und überlege, sich aus dem Deal zurückzuziehen.

Doch auch die Aktionäre sind verärgert. Mehr als die Hälfte von ihnen unterstützte einen Beschluss, die Rollen des Chairman und des Chief Executive zu trennen, und der Board hatte im April Lewis das Amt des Chairman entzogen. Auch die Vorstellung, dass hier ein guter Vorkämpfer von schlechten Beratern umgeben ist, verliert bei den Investoren zusehends an Schlagkraft. Mehr als die Hälfte der 100 Spitzenmanager bei der BofA hat die Bank seit 2005 verlassen, hat der "Charlotte Observer" analysiert.

Und auch die Zusammensetzung des Board, die für Lewis ehemals so günstig war, ändert sich. Seine Verbündeten sind draußen, dafür kommen vier neue Mitglieder. Darunter befindet sich ein ehemaliger Gouverneur des Federal Reserve Board und der ehemalige Chairman des US-Einlagensicherungsinstituts FDIC.

Die Regulierer hatten gute Gründe, die BofA zum Abschluss des Merrill-Deals zu drängen. Ihnen wurde damit ein weiterer Zusammenbruch à la Lehman Brothers erspart. Sehr wahrscheinlich hat Lewis diesen Druck zu spüren bekommen. Aber seine Erklärungen scheinen nicht zu überzeugen. Er sieht zunehmend isoliert aus. Bisher hat er sich geschickt an seinen Job geklammert. Aber die Chancen darauf, dass ihm dies weiter gelingt, müssten sich erst noch erhöhen.

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