Bank der aufsteigenden Summe
Nomura zahlt immer noch für globale Ambitionen

Die japanische Investmentbank Nomura nimmt 5,6 Milliarden US-Dollar Kapital auf. Die Einnahmen könnten genutzt werden, um den Anforderungen von Kunden, Beschäftigten und Regulatoren gerecht zu werden. Die Teilübernahme von Lehman Brothers war zwar günstig, doch es kommt viel teurer, sich als eine der führenden globalen Investmentbanken zu etablieren.
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Nomuras Aktienausgabe über 5,6 Milliarden US-Dollar erscheint wie die jüngste opportunistische Kapitalaufnahme in einem überschäumenden Aktienmarkt. Die Maßnahme stärkt die Bilanz der japanischen Bank just in dem Moment, in dem der Aktienkurs seit März um über 60 Prozent in die Höhe geschossen ist. Es könnte aber auch das implizite Eingeständnis sein, dass der Beitritt zur Mega-Liga der globalen Banken unheimlich teuer ist.

Nach der Platzierung hätte Nomura 8,6 Milliarden US-Dollar aufgenommen, seitdem im Oktober 2008 die asiatischen und europäischen Bestandteile von Lehman Brothers übernommen wurden. Generell ist mehr Kapital eine gute Sache. Nomuras Tier-1-Kernkapitalquote stand Ende Juni bei 12,7 Prozent, infolge des Nachschlages würde sie auf etwa 17,5 Prozent steigen. Damit würde man sogar konservative Institute wie Credit Suisse in den Schatten stellen.

Bedarf für die neuen Mittel kommt von vielen Seiten. Nomura will sich vom schwerfälligen japanischen Börsenmakler in eine Investmentbank der Spitzenklasse verwandeln. Das bedeutet, dass man mehr Kapital braucht, um Firmen- und Investmentkunden bedienen zu können. Firmen wollen, dass Banken nicht nur Ratschläge geben, sondern auch mit ihren Bilanzen ins Risiko gehen. In einigen Fällen werden Mandate nicht vergeben, wenn die Bank nicht auch Kredite bereitstellt. Nomura braucht auch mehr Kapital, wenn sie voll am anhaltenden Aufschwung des Handels partizipieren will. Im Lehman-Erbgut war das Riskieren von Kapital angelegt, nicht aber in Nomuras DNA.

Es gibt auch noch Regulatoren, die zufriedengestellt werden müssen. Die Chefs der G20-Staaten wollen Banken dazu verpflichten, mehr und höherwertigeres Eigenkapital zu halten. Nomura ist vielleicht nicht zu groß, um zu scheitern, die Japaner wollen es aber gerne sein. Deshalb brauchen sie mehr Kapital, als reine Maklertätigkeiten erfordern würden.

Schließlich müssen auch die Beschäftigten befriedigt werden. Bekanntlich bot Nomura generöse Garantie-Boni vielen Lehmännern an, die sie halten wollte. Die letzten 30 Prozent dieser Boni werden am Ende dieses Monats fällig. Auch wenn ein Massenexodus im Oktober unwahrscheinlich ist, muss Nomura wettbewerbsfähig bleiben. Die Kosten der Wettbewerbsfähigkeit sind allerdings stark gestiegen, auch durch die überschwänglichen Einstellungen anderer Banken wie Barclays und Standard Chartered, die ebenfalls Ambitionen auf die erste Liga der Investmentbanken haben. Von gefallenen Engeln wie der Citigroup einmal ganz zu schweigen.

Es sah einmal so aus, als ob Nomura die Lehman-Teile für ein Butterbrot bekommen hätte. Nun ist klar, dass die 225 Millionen US-Dollar auf dem Preisschild nur der Anfang waren. Nomura ist so klug, Kapital aus einer Position der Stärke heraus aufzunehmen. Die Bank liegt aber auch richtig, wenn sie sich bewusst ist, dass sie jeden Cent davon brauchen wird.

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