Bank of America
Ein Koloss erwacht

Der scheidende Chef der Bank of America, Ken Lewis, mag während der Krise eine Reihe von Deals schlecht umgesetzt und damit großen Schaden bei der Bank angerichtet haben. Doch da sich das Institut nun bald aus den Fesseln des staatlichen Bankenstützungsprogramms befreien wird, kann sich sein Nachfolger ganz auf das schlafende Bankenungeheuer konzentrieren – und dafür sogar noch ein Gehalt beziehen.
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Der Chief Executive der Bank of America (BofA), Ken Lewis, mag großen Schaden bei der Bank angerichtet haben, indem er während der Finanzkrise mehrere Übernahmen miserabel umsetzte. Doch da die Bank kurz davor steht, staatliche Hilfen über 45 Mrd. Dollar zurückzuzahlen, kann sich sein Nachfolger darauf konzentrieren, das schlafende Bankenungeheuer wieder zu wecken - und er wird für seine Aufgabe sogar auch bezahlt werden können.

Das in Charlotte ansässige Kreditinstitut hat am Mittwochabend eine Reihe von Schritten vorgestellt, um die Gelder, die die Bank gemäß dem Tarp-Bankenrettungsprogramm des US-Finanzministeriums erhalten hatte, wieder zurück zu geben. Rund 26,2 Mrd. Dollar sollen den Beständen an liquiden Mitteln entnommen werden, zudem sollen Wertpapiere über weitere 18,8 Mrd. Dollar verkauft werden, die in Stammkapital gewandelt werden, wenn die Aktionäre eine Erhöhung der Gesamtzahl der begebenen Aktien der Bank gebilligt haben.

Um ihr Kapital auf einem Niveau zu halten, das die Aufsichtsbehörden zufrieden stellt, wird die BofA außerdem in ausreichendem Maß Vermögenswerte verkaufen, um damit zusätzliches Eigenkapital über vier Mrd. Dollar einsammeln zu können. Letztendlich dürfte die Tier 1-Stammkapitalquote dann nach Angaben der Bank bei relativ robusten 8,5 Prozent liegen. Die Bank würde auch Dividenden über etwa 3,6 Mrd. Dollar einsparen, die sonst an das Treasury geflossen wären.

Mit der Rückzahlung wird das Institut den Schlamassel, der durch den Kauf der Wall Street-Firma Merrill Lynch und der Hypothekenbank Countrywide entstanden war, weitgehend hinter sich lassen. Sicher werden in den kommenden Quartalen immer noch Hypothekendarlehen, Verbraucherkredite und Unternehmensschuldtitel kippen. Und die Integration von Merrill wird während der kommenden Bonusrunde auf die Probe gestellt werden, denn die Banker von Merrill haben Garantien erhalten, die den BofA-Mitarbeitern nicht gewährt wurden.

Doch die neue BofA dürfte sich als ein Koloss präsentieren, mit dem man rechnen muss. Sie wird über ein Privatkundengeschäft ersten Ranges verfügen, beim Volumen billiger, auf Einlagen basierender Finanzierungen landesweit an der Spitze liegen und eine führende Investmentbank und Maklergesellschaft in der Wall Street ihr Eigen nennen. Innerhalb von drei Jahren, so schätzen die meisten Analysten, sollte die Bank mehr Geld einnehmen als selbst die mächtige JP Morgan.

Darüber hinaus wird der Nachfolger von Lewis - befreit von den Fesseln des Tarp, unter die auch die Gehaltsrestriktionen der US-Regierung unter Präsident Obama fallen - sich sogar in einer Position befinden, für seine Aufgabe bezahlt zu werden. Angesichts all dieser Aussichten ist es vielleicht nicht verwunderlich, dass der bankinterne Spitzenreiter für den Posten, Lewis? rechte Hand Greg Curl, so hart dafür gearbeitet hat, die Genehmigung der US-Regierung für diesen Rückzahlungsdeal zu erhalten.

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