Bank of America
Keine halben Sachen

Der Board der Bank of America erwägt eine Interimslösung für die Nachfolge von Ken Lewis auf dem Chefposten. Das wäre sicherlich ein Weg, um die Egos der Führungskräfte der Bank zu beschwichtigen, die sich sonst vielleicht beleidigt fühlen würden. Doch ein Chef auf Zeit würde es schwer haben, die Truppen zu befehligen. Und was das Kreditinstitut jetzt am meisten braucht ist, eine starke Hand
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Der Board der Bank of America (BofA) kassiert gerade die Rechnung für all die Jahre, in denen das Gremium allzu stark auf Ken Lewis gesetzt hatte. Die Board-Mitglieder scheinen den Bankchef während seiner acht Jahre auf dem Chefsessel selten, wenn überhaupt, dazu gedrängt zu haben, auch nur einen Gedanken an seine Nachfolge zu verschwenden. Erst die Nachwirkungen der verpfuschten Fusion mit Merrill Lynch brachten das Thema vor ein paar Monaten mit Nachdruck auf die Tagesordnung. Doch da noch keiner der internen Kandidaten als sicherer Gewinner gilt, überlegt der Board jetzt, für ein oder zwei Jahre einen Interimschef zu berufen, berichtet das "Wall Street Journal". Das wäre der falsche Schritt.

Verlockend wäre eine solche Lösung sicherlich. Zumindest könnten so die Egos der hauseigenen Führungskräfte beschwichtigt werden, die vielleicht beleidigt wären und flüchten könnten, wenn über ihre Köpfe hinweg ein externer Kandidat berufen würde. Dies könnte im Besonderen auf die drei Spitzenmanager zutreffen, die während des Sommers als längerfristige Nachfolger von Ken Lewis im Rennen zu sein schienen: Sallie Krawcheck in der Vermögensverwaltung und im Asset Management, Tom Montag im Investment Banking und Brian Moynihan im Privatkundenbereich.

Es wäre gewiss klug, im Management weitere Turbulenzen zu vermeiden. Aber einen Chief Executive auf Zeit zu installieren, würde letztendlich einen Aufruhr nur hinauszögern. Ein Lückenbüßer auf dem Kommandostand würde es schwer haben, die Truppen zu befehligen, und zwar besonders die Hand voll willensstarker Leutnants, die ein paar Monate später dann darum kämpfen, ihm oder ihr das Ruder zu entreißen. So wie der im Verlauf dieses Jahres immer unhaltbarer werdende Versuch von Lewis, sich krampfhaft an die Macht zu klammern, für Verstörung auf der Chefetage gesorgt hatte, so würde auch eine Interimslösung die Manager nur vom eigentlichen Kurs ablenken - wahrscheinlich aber für einen noch längeren Zeitraum.

Der Board der Bank wäre besser beraten, wenn er dem Exempel folgen würde, das Jamie Dimon in dieser Woche bei JP Morgan statuiert hat: Dimon hat die Nachfolgefrage geklärt, auch wenn er dafür eine geschätzte und lang gediente Führungskraft opfern musste, in seinem Fall den Co-Leiter der Investment Bank, Bill Winters.

Dem Leitungsgremium der BofA bleiben ein paar Monate, um einen Nachfolger für Lewis auszudeuten. Und einige potenzielle Kandidaten stehen unmittelbar zur Verfügung. Einen kurzfristigen Aufstand unter den Spitzenmanagern zu meistern, sollte für eine starke Führungspersönlichkeit kein allzu großes Problem sein. Und genau diese braucht die BofA jetzt dringend.

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