Bank of America
Ken Lewis ist überfällig

Die SEC beschuldigt die Bank of America, die Aktionäre hinsichtlich der Boni bei Merrill Lynch in die Irre geführt zu haben. Trotzdem klammert sich Bankchef Ken Lewis nach wie vor an seinen Job. Zwar scheint er jetzt mit Verspätung einen Nachfolgeplan zu erstellen, aber dessen Umsetzung wird dauern. Eigentlich hätte er schon lange gehen sollen.
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Eines muss man Ken Lewis lassen: Er ist zäh. Der Chef der Bank of America klammert sich trotz einer Unzahl erwiesener Fehltritte und Managementfehler immer noch an seinen Job. Jetzt legt die US-Wertpapieraufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC) noch einmal nach. Sie beschuldigt die Bank, im vergangenen Jahr ihre Aktionäre hinsichtlich der Bonuszahlungen an die Banker von Merrill Lynch in die Irre geführt zu haben.

Zugegebenermaßen kann die SEC nicht allzu hart durchgreifen. Die Branchenwächter können nur eine Zivilklage anstrengen. Zudem hat der Regulierer es der Bank gestattet, die Anklage durch die Zahlung von 33 Mill. Dollar beizulegen, ohne ihre Schuld einzugestehen oder zu bestreiten. Lewis mag zwar der Ansicht sein, dass er dadurch Rückendeckung hat. Stattdessen unterstreicht der Vorfall noch einmal die Tatsache, dass er eigentlich gehen sollte.

Schließlich sind die Vorwürfe, er habe die Interessen der Aktionäre ignoriert, seitdem er in die Übernahme von Merrill eingewilligt hat, nicht neu. Lewis hat in einer Aussage vor dem New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo sogar eingeräumt, dass er seine Pflicht gegenüber den Aktionären nicht beachtet hatte, als er im vergangenen Dezember über ein Rettungspaket der US-Regierung verhandelt hatte.

Wenigstens scheint er sich nun, wenn auch mit Verspätung, daran gemacht zu haben, eine Nachfolgeplan zu erstellen. Er hat die ehemalige Citigroup-Managerin Sallie Krawcheck zur Leitung des Bereichs Vermögens- und Investment Management bestellt. Dem Handelschef Tom Montag wird das Investment Banking unterstellt und Brian Moynihan, der derzeit beide Aufgabengebiete betreut, soll das Verbrauchergeschäft übernehmen.

Krawcheck, die sich zwar in ihrer Rolle als Leiterin der Citigroup-Tochter Smith Barney einiges Ansehen verschafft hatte, hat die Investoren als Finanzchefin der Citigroup nicht gerade begeistert. Montag ist auf einem derart breit angelegten Aufgabenfeld noch unerprobt. Und Moynihan war noch nie zuvor leitend im Privatkundengeschäft tätig. Bei allen drei Kandidaten wird es also dauern, bis sie so weit sind, den Spitzenposten übernehmen zu können. Doch vielleicht gehört dies ja zu Lewis? Plan: Da noch niemand in der Bank seine Position gefährden kann, hofft er möglicherweise darauf, Zeit zu gewinnen, um seinen Ruf zu retten. Aber eigentlich ist sein Abgang seit langem überfällig.

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