Bank of America
Miserable Bilanz

Letztlich war der Chef der Bank of America über die chaotische Übernahme von Merrill Lynch gestolpert. Doch zusätzlich leidet die Bank immer noch unter anderen Abschlüssen, wie Countrywide und LaSalle, die Ken Lewis davor eingefädelt hatte. Der Quartalsverlust der Bank erinnert zur rechten Zeit daran, dass Merrill nicht der einzige Grund dafür war, Lewis zu entlassen.
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Ken Lewis mag sich ein wenig ungerecht behandelt fühlen. Die chaotische Übernahme von Merrill Lynch hat ihn den Job an der Spitze der Bank of America (BofA) gekostet - und zwar genau zu dem Zeitpunkt, als das Wertpapierhaus aus der Wall Street sich anschickte, eine weitere Reihe von annehmbaren Ergebnissen vorzulegen. Doch der Verlust der BofA über eine Mrd. Dollar im dritten Quartal erinnert zur rechten Zeit daran, dass der Deal um Merrill nicht der einzige Grund dafür war, Lewis zu entlassen.

Natürlich hat die vermasselte Übernahme maßgeblich zu seiner Demontage beigetragen. Angesichts der prekären Verfassung der Märkte in jenen Tagen, hätte der BofA-Chef weit weniger zahlen können als einen Aufschlag um 70 Prozent. Die nachfolgenden Verluste stellten die Sorgfaltsprüfung, das Risikomanagement und die Offenlegungspolitik von Lewis und der gesamten Bank in Frage. Und die Versuche, die Schuld dem ehemaligen Merrill-Boss John Thain, dem Chairman der US-Notenbank Ben Bernanke und dem damaligen US-Finanzminister Hank Paulson zuzuschieben, gingen nach hinten los. Sie provozierten vielmehr unterschiedlichste Ermittlungen seitens der Aufsichtsbehörden, der Generalbundesanwälte, des Justizministeriums und des FBI.

Doch die BofA leidet darüber hinaus auch noch unter einigen Abschlüssen, die Lewis früher eingefädelt hatte. Im Jahr 2006 hatte er den Kreditkartenriesen MBNA zu einem happigen Aufschlag erstanden und gab ein Jahr später verschwenderische 21 Mrd. Dollar in bar für die Akquisition von La Salle aus, einer Bank im Mittleren Westen der USA. Beide tragen nun zu den erheblichen Verlusten des Finanzinstituts im Verbraucherbereich bei. Genau so wie Countrywide, der aggressive Immobilienfinanzierer, den Lewis Anfang des vergangenen Jahres anscheinend billig aufgegabelt hatte. Und doch musste die BofA Rückstellungen bilden, selbst noch über die Abschreibungen hinaus, die die Bank vornahm, als sie den Deal im vergangenen Sommer abschloss.

Nicht einmal die Wende zum Besseren bei Merrill – die Händler der BofA-Investmentbank erwirtschafteten im Berichtsquartal zum Beispiel im Bereich Festverzinsliche respektable 4,4 Mrd. Dollar – reichte aus, um die Einbußen der Retail-Sparte der BofA wettzumachen.

Die Bank verwies darauf, dass sie im Berichtsquartal eigentlich rentabel gearbeitet hätte. Doch ihr ist eine Einnahmenbelastung über 2,7 Mrd. Dollar in die Quere gekommen, die aus jener Bilanzierungsvorschrift entstanden ist, die US-Firmen dazu zwingt, Verluste zu verbuchen, wenn der Marktwert ihrer eigenen Verbindlichkeiten steigt. Doch gleichzeitig war die Führungsmannschaft weit weniger erpicht darauf, hervorzuheben, dass die Bank 1,5 Mrd. Dollar aus dem Verkauf von Wertpapieren verdient hat und in den Genuss von Steuererleichterungen über 975 Mill. Dollar gekommen ist. Saldiert man all diese Faktoren, dann hat die Bank immer noch Verluste von knapp unter einer Mrd. Dollar registriert.

Gerechterweise muss man zugeben, dass Lewis im Juli tatsächlich davor gewarnt hatte, dass die zweite Jahreshälfte mühsam werden würde. Dies war eine seiner besseren Aussagen in letzter Zeit. Wie der Quartalsverlust der Bank demonstriert, war seine Zeit auf dem Chefsessel mit einer ganzen Reihe an kostspieligen Fehlgriffen verbunden.

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