Bank of America
PR-Gag zur Unzeit

Die Geschicke der Bank of America haben sich zum Besseren gewendet, seitdem die US-Steuerzahler dem Institut zum zweiten Mal zu Hilfe eilen mussten. Dennoch hat die Bank bisher in diesem Jahr 5,7 Mrd. Dollar verloren und erwartet keine starke zweite Jahreshälfte. Noch stellt sie also keine gute Kandidatin für die Rückzahlung von Tarp-Kapital dar.
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Das US-Finanzministerium sollte die Bank of America (BofA) noch nicht von der Strafbank entlassen. Laut Presseberichten will das Kreditinstitut aus Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina der Regierung 20 Mrd. Dollar zurückzahlen. Das entspricht fast der Hälfte der Gelder, die die angeschlagene Bank im Rahmen des Troubled Asset Relief Programme (Tarp) erhalten hat. Die Geschicke der BofA haben sich seit den düsternsten Tagen der Bankenkrise sicherlich verbessert. Ihre Aktien sind fast um das Siebenfache gestiegen. Aber aus dem Schneider ist die Bank damit noch lange nicht.

Zunächst einmal wird das nach Vermögenswerten größte Kreditinstitut der USA immer noch zu nur 75 Prozent des Buchwerts gehandelt. Die Aktionäre müssen sich also möglicherweise auf weiteres Ungemach einstellen. Und das Kerngeschäft der BofA läuft bei weitem nicht einwandfrei. Gewiss hat die Bank einen Gewinn von 7,4 Mrd. Dollar für das erste Halbjahr ausgewiesen. Doch diese Zahlen sind illusorisch: Tatsächlich hat das Unternehmen 3,5 Mrd. Dollar verloren - und sogar 5,7 Mrd. Dollar, wenn die Dividendenzahlungen berücksichtigt werden -, wenn man Steuervorteile und außerordentliche Erträge aus dem Verkauf von Geschäftsbereichen, wie etwa fast der Hälfte ihres Anteils an der China Construction Bank, abzieht und eine Bereinigung um buchhaltungstechnische Gewinne und Verluste aus den eigenen Verbindlichkeiten der Bank vornimmt.

Darüber hinaus dürften einige der Bereiche, die in den ersten beiden Quartalen am besten abgeschnitten hatten, in den restlichen Monaten des Jahres wohl kaum wieder derart starke Einnahmen verbuchen: Das Segment Hypothekenrefinanzierung, das ganze 80 Prozent des Immobilienkreditgeschäfts der BofA ausmachte, hat sich abgeschwächt. Und engere Spreads bei den Festverzinslichen lassen es unwahrscheinlich erscheinen, dass das Institut seine Höhenflüge im Handel aus dem zweiten Quartal wiederholen kann. Selbst der umstrittene Chef der Bank, Ken Lewis, rechnet damit, dass die zweite Hälfte des Jahres schwierig werden wird.

Und auch wenn sich das Tempo der Kreditverluste in den vergangenen Wochen verlangsamt haben sollte, wird die Bank wahrscheinlich bis weit ins Jahr 2010 hinein ihre Reserven erhöhen, selbst wenn die Wirtschaft nicht wieder in die Rezession abgleitet. Zudem schwebt immer noch die Frage im Raum, welche Rolle Lewis spielen soll, nachdem die Ungereimtheiten um die Akquisition von Merrill Lynch Fehler beim Risikomanagement der Bank im Allgemeinen und hinsichtlich seiner Führungsqualitäten im Besonderen zu Tage gefördert hatten. Und keine der drei Personen, die sich jetzt als Nachfolgekandidaten herauszuschälen scheinen, hat Erfahrung darin, ein derart großes Institut zu führen.

Im Vergleich mit der ebenfalls angeschlagenen Citigroup scheint die BofA zugegebenermaßen viel besser da zu stehen. Doch da noch so viele Fragen zur Entwicklung und zur Führungsmannschaft der Bank offen sind, wäre die Rückzahlung der Tarp-Gelder zum jetzigen Zeitpunkt ein PR-Gag zur Unzeit.

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