Bank of Amerika
Genug ist genug

Bank of Amerika-Chef Ken Lewis hat den Deal mit Merrill Lynch in den Sand gesetzt. Der Kurs der Aktien ist im Keller, schon zweimal musste die US-Regierung rettend eingreifen und die Bank braucht vielleicht sogar noch mehr Kapital. Bei der Hauptversammlung am Mittwoch sollten ihn die Aktionäre rauswerfen.
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Seit fast vier Monaten sind die Aktionäre der Bank of America (BofA) nun schon Zeugen einer Farce, die durch die vermasselte Übernahme von Merrill Lynch durch ihre Bank entstanden ist. Die Verluste türmen sich auf, die Aktien sind in den Keller gerauscht, und CEO BofA, Ken Lewis schiebt beharrlich die Schuld für das Desaster auf der Regierung. Bei der Jahreshauptversammlung am Mittwoch werden endlich die Aktionäre zu Wort kommen. Sie sollten Lewis feuern.

Das sollte keine allzu schwierige Aufgabe sein. Lewis? Entscheidung im vergangenen September nach einer hektischen Sorgfaltsprüfung einen Aufschlag von 70 Prozent für Merrill zu bieten, war fatal. Am Ende des vergangenen Jahres kam die Quittung: Das Wall-Street-Institut wies Verluste über 15 Mrd. Dollar aus, die BofA brauchte daraufhin eine weitere Kapitalspritze über 20 Mrd. Dollar vom US-Finanzministerium und eine Regierungsgarantie für zweifelhafte Vermögenswerte über rund120 Mrd. Dollar.

Die Vorgänge demonstrierten, wie begrenzt das Risiko-Management der Bank und ihr Geschick beim Abschluss von Deals waren. Doch Lewis und seine Entourage verschlimmerten die Verwirrung über die Strategie des Instituts noch. Sie versuchten die Schuld an den Problemen von Merrill anderen in die Schuhe zu schieben - erst den ehemaligen Managern der Investmentbank unter der Leitung von John Thain und dann der Regierung, die die BofA angeblich dazu gedrängt hatte, den Kauf von Merrill zu einem Ende zu bringen.

Auch die jüngste Entwicklung bei der Bank unterstreicht, warum Lewis besser seinen Hut nehmen sollte. Wenn man alle Sonderposten streicht, hat die BofA im ersten Quartal rote Zahlen geschrieben. Und ihre Aktien sind erneut unter Druck geraten, nachdem gemunkelt wurde, dass die Bank aufgrund der Stresstests der US-Regierung dazu gezwungen sein werde, frisches Kapital einzusammeln. Nur so könnte sie künftigen Verluste überstehen.

Schlimmer noch: Lewis hatte in einer Aussage vor dem Generalstaatsanwalt von New York behauptet, er habe im Dezember auf Geheiß von US-Notenbankchef Bernanke und dem damaligen US-Finanzminister Paulson die wachsenden Verluste von Merrill nicht offen gelegt. Bernanke und Paulson bestreiten, Lewis eine derartige Anweisung erteilt zu haben. Und Lewis gibt zu, nicht einmal mit seinen eigenen Mitarbeitern besprochen zu haben, ob er verpflichtet sei, diese Schwierigkeiten den Aktionären darzulegen.

Sein Zeugnis fällt miserabel aus. Lewis hat dazu beigetragen, dass der Wert der Bank um rund 200 Mrd. Dollar gesunken ist. Calpers, der kalifornische Pensionsfonds für die Angestellten im öffentlichen Dienst und größter Pensionsfonds der USA, hat bereits beschlossen, gegen Lewis zu stimmen. Die anderen Aktionäre sollten diesem Beispiel folgen.

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