Bank of England
Mervyns zweite Chance

Glück für Mervyn King, er wird wohl seinen Job behalten. Der Chef der Bank of England kann sich aus zwei Gründen freuen. Zum einen hat Schatzkanzler Alistair Darling schon zuviel an Glaubwürdigkeit verloren, als dass er es jetzt noch wagen könnte, King zu entlassen. Zum anderen scheint die Zinssenkung in der vergangen Woche die City überzeugt zu haben. Allerdings könnte King jetzt zum Gefangenen der Märkte geworden sein.

Mervyn King blickt auf ein fürchterliches Jahr zurück. Dem Chef der britischen Zentralbank wird vieles vorgeworfen: die Schwere der Finanzkrise unterschätzt zu haben, falsch auf den Druck reagiert zu haben, der auf den Banken lastete und schließlich zum Zusammenbruch von Northern Rock führte, und dann auch noch verpasst zu haben, nachdrücklich auf einer Marktlösung zu bestehen, als Northern Rock schon in den Brunnen gefallen war. Und dennoch, die Buchmacher handeln King als sicheren Kandidaten für den Chefposten bei der Bank of England im Jahr 2008. Sie werden voraussichtlich Recht behalten.

Seit dem Herbst, als man in der City und in Westminster seinen Kopf forderte, hat sich das Blatt für King gewendet. Das liegt zum einen daran, dass der Mann, der über sein Geschick entscheidet, Schatzkanzler Alistair Darling, selbst rapide an Glaubwürdigkeit verliert – aufgrund seiner eigenen Rolle im Northern-Rock-Debakel und aufgrund einer Reihe von stümperhaften Steuerinitiativen.

Die Menschen könnten King vorwerfen, er sei ein Akademiker aus dem Elfenbeinturm, ohne Gefühl für den Markt. Allerdings traut man ihm eher als einem Politiker, der wenig vom Finanzwesen versteht und dazu tendiert, seine Aufgabe nur schlampig zu erledigen. Wenn Darling King zum Sündenbock in der Rock-Affäre macht, ohne selbst ins Messer zu laufen, wäre das ein weiterer Schlag gegen das Vertrauen ins britische Finanzgefüge.

Zum anderen scheint Kings Position auch wieder etwas gefestigt, seit er nach der Zinssenkung in der vergangenen Woche Unterstützung aus der City zurückgewonnen hat. Die British Bankers Association gibt zu verstehen, man habe kein Problem damit, dass King eine zweite Amtsperiode antritt. Ein Risiko für King bleibt, verlässt er sich auf die Unterstützung der City, wird er zum Gefangenen der Märkte – keine gute Position für einen Zentralbanker.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%