Banken
Billiges Manöver der Bank of Amerika

Die Bank of America hat sich billig aus der staatlichen Verlustgarantie über 118 Mrd. Dollar herausgewunden. Die Zahlung von 425 Mill. Dollar sieht wie ein Schnäppchenpreis für eine Schutzmaßnahme aus, die dem Institut vielleicht das Leben gerettet hat. Doch Bankchef Ken Lewis hat sich ein weiteres Mal in Misskredit gebracht.
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Und wieder einmal hat sich Ken Lewis, der Chef der Bank of America (BofA), aus einem Engpass herausgewunden. Die Bank zahlt der US-Regierung nur 425 Mill. Dollar für die paar Monate, in denen das Kreditinstitut dem Anschein nach den Schutz des amerikanischen Staates für rund 118 Mrd. Dollar an zweifelhaften Vermögenswerten genossen hatte, die die BofA bei der Übernahme von Merrill Lynch mit aufgesammelt hatte. Im Verhältnis zu den Vorteilen, die der Bank aus diesem äußeren Schein von Sicherheit erwuchsen, ist das ein recht niedriger Preis, den sie zu zahlen hat. Trotzdem sollte man sich nicht täuschen lassen: Das Sündenregister von Ken Lewis wurde durch diesen Schachzug um etliche Einträge erweitert.

Im Januar hatte sich die BofA bereit erklärt, für die staatliche Versicherung gegen Verluste bei den betreffenden Vermögenswerten vier Mrd. Dollar an Vorzugsaktien und Warrants zu zahlen. Der Abschluss wurde zwar nie unterzeichnet, doch teilte die Bank dies erst im Mai öffentlich mit. Damals war die gefährlichste Phase der Finanzkrise längst vorüber - und die BofA-Aktien hatten sich mehr als verdoppelt. Zudem war die Bank dann auch noch so unsensibel zu argumentieren, sie schulde der Regierung überhaupt kein Geld, denn sie habe den Deal ja niemals unterschrieben.

Zwar wäre es unfair gewesen, die Aktionäre des Kreditinstituts dazu zu zwingen, die gesamte ursprünglich ins Auge gefasste Gebühr zu schultern. Doch könnten vertretbare Argumente dafür vorgebracht werden, der Regierung bis zu einem Drittel der ursprünglichen Gebühr, also 1,3 Mrd. Dollar, zurückzuzahlen. Die jetzt ausgehandelten 425 Mill. Dollar sehen also wie ein Schnäppchenpreis aus. Doch eines steht fest: Während die Aktionäre zwar relativ unbeschadet davon gekommen sein mögen, hat Lewis dem Ruf der Bank durch seinen gerissenen Versuch geschadet, von der Großzügigkeit der Steuerzahler zu profitieren, ohne dafür einen Cent zu zahlen. Die Aufsichtsbehörden und Aktionäre sollten dieses Manöver dem übervollen Dossier an Gründen hinzufügen, die für den Abgang des Chief Executive sprechen.

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