Banken
Boni für Investmentbanker müssen runter

Die Banken müssen ihre Vergütungen den gesunkenen Erträgen anpassen. Die derzeit laufende Bonusrunde ist eine Gelegenheit, sich dem Problem zu stellen. Da viele Spitzenmanager ganz auf ihre Boni verzichten, sollte es leichter sein die Vergütung für die nachfolgenden Hierarchie-Ebenen auf eine neue Basis zu stellen.

Die Branche hat jetzt eine goldene Chance, die Uhren entschlossen neu zu stellen und die Vergütung auf einem stark verminderten Niveau zu justieren. Die Steuerzahler reagieren allein schon bei der Vorstellung entsetzt, die Banker könnten in diesem Jahr überhaupt einen Bonus erhalten, wenigstens bei den Banken, die direkt oder indirekt von den staatlichen Rettungsaktionen profitiert haben. Aber der Aufschrei der Öffentlichkeit ist nicht der einzige, und vielleicht nicht einmal der hauptsächliche Grund, warum die Finanzinstitute die Bonuszahlungen umstellen sollten. Der wahre Anlass liegt darin, dass das Geschäftsmodell des Investment Banking einen strukturellen Wandel durchmacht.

Traditionell haben die Banker 50 Prozent der jährlichen Einnahmen ihres Arbeitgebers als Basisgehalt und Bonus mit nach Hause getragen. Dieses so genannte Vergütungsverhältnis mag in guten Jahren sinken, so dass mehr für die Aktionäre übrig bleibt. In schlechten Jahren ist es umgekehrt: Im vergangenen Jahr lag das Vergütungsverhältnis bei Morgan Stanley bei 59 Prozent. Für das Jahr 2008 wird diese Kennzahl außer Rand und Band geraten. Analysten erwarten, dass die Vergütungsverhältnisse der Banken, die sich am schlechtesten entwickelt haben, in die Höhe schießen werden, da der Bruttogewinn-Nenner bei diesem Bruch kollabiert.

Wenn sich die Rahmenbedingungen wieder stabilisieren, wird die Welt anders aussehen. Da durch den Abbau von Fremdkapital der Hebel sinkt und aus dem Eigenhandel geringere Gewinne beigesteuert werden, muss den Aktionären ein höherer Anteil des Brutto-Cash Flows zugeteilt werden, um eine akzeptable Eigenkapitalrendite zu erzielen. Damit bleibt weniger für die Angestellten. Das alte Auszahlungsverhältnis von 50 Prozent wird sich als zu hoch erweisen - solange die Aktionäre um ihren Anteil kämpfen. Tatsächlich werden die Bonuszahlungen einen kleineren Anteil an den gesunkenen Gewinnen ausmachen.

In diesem Winter bietet sich der Branche die Chance zu einem Neustart. Die Banken haben Mitarbeiter entlassen - alleine dadurch verringern sich die Vergütungsausgaben. Aber die Einnahmen sind stärker gefallen als die Zahl der Mitarbeiter und die Banker haben zudem festgelegte Basisgehälter. Daher werden die einzelnen Bonuszahlungen unverhältnismäßig stark gedrückt werden müssen, auch wenn dadurch kaum ein Banker am Hungertuch wird nagen müssen.

Merrill Lynch bereitet sich Berichten zufolge darauf vor, die Boni um 50 Prozent zu kürzen, was unter den gegebenen Umständen immer noch erstaunlich großzügig aussieht. Goldman Sachs und Morgan Stanley haben ihre Bonus-Zuteilungen gerade abgeschlossen. Sie werden hoffentlich mit gutem Beispiel vorangehen, an dem sich die anderen der Branche ausrichten können.

Die gute Nachricht besteht darin, dass viele der Spitzenmanager im Investment Banking ganz auf ihre Boni verzichten. Damit dürfte es leichter werden, gegenüber den mittleren und unteren Hierarchie-Ebenen eine harte Haltung einzunehmen. Wenn die Chefs Null beziehen, dann wird die Null wie die Norm aussehen und alles andere wie ? ein Bonus.

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