Banken-Boni
Immer noch golden

Goldman Sachs hat in der Bonus-Frage endlich den richtigen Ton getroffen. Die Bank zahlt ihren 30 Spitzenmanagern die Sondervergütungen ausschließlich in Form von Aktien, die fünf Jahre lang nicht verkauft werden können und mit erweiterten Rückforderungsmerkmalen versehen sind. An dieser Vorgabe, die Erinnerungen an die alte Partnerschaftsstruktur von Goldman weckt, werden sich die übrigen Wall Street-Firmen orientieren müssen. Doch die Schritte werden vielleicht nicht ausreichen, um den Unmut in der Öffentlichkeit am Zahltag völlig einzudämmen.
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Goldman Sachs hat in der Bonus-Frage endlich den richtigen Ton getroffen. Und da Goldman die rentabelste Firma an der Wall Street ist, werden die übrigen Vertreter der Finanzbranche ihrem Beispiel höchstwahrscheinlich folgen. Doch die neuesten Pläne der Bank, ihren Spitzenmanagern die Sondervergütungen ausschließlich in Form von Aktien zu zahlen, könnten nicht ausreichen, um so dem Unmut in der Öffentlichkeit zu entgehen.

Tatsächlich hat eine der größten Gewerkschaften Amerikas, die Service Employees International, Goldman umgehend angegriffen, einen zynischen PR-Gag inszeniert zu haben, um die Aufmerksamkeit von ihren "obszönen" Vergütungen abzulenken. Dabei hat die Bank bisher überhaupt noch keine Boni ausgezahlt.

Sicher, um die Mitarbeiter zu bezahlen, hat die Firma einen Topf eingerichtet, der sich bis zum Jahresende mit rund 20 Mrd. Dollar füllen dürfte. Erst vor einem Jahr mussten die Finanzmärkte durch staatliche Rettungsaktionen aufgefangen werden. Daher ist es legitim, den Umfang und die Struktur von Vergütungsplänen bei Goldman und in der gesamten Branche zu hinterfragen.

Was die Struktur betrifft, so liegt die Vergütungspolitik nach Ermessen, die Goldman jetzt angekündigt hat, genau auf dem richtigen Kurs. Die dreißig Mitglieder des Managementausschusses, darunter auch Chief Executive Lloyd Blankfein, werden ihre Boni ausschließlich in Form so genannter "shares at risk" erhalten. Diese Wertpapiere können ab dem Zeitpunkt der Zuteilung fünf Jahre lang nicht verkauft werden.

Darüber hinaus wurden Vorkehrungen, die es der Firma erlauben, einige der Aktien zurückzufordern, dahingehend in ihrer Wirkung verstärkt, dass sie dann greifen, wenn Mitarbeiter "sich an einer im Wesentlichen unangemessenen Risikoanalyse beteiligt haben oder es unterlassen haben, in ausreichendem Maß Bedenken über Risiken vorzubringen".

Alles in allem ähnelt das Vergütungsprogramm von Goldman jetzt stärker als zu jedem anderen Zeitpunkt seit dem Börsengang der Firma im Jahr 1999 der früheren Partnerschaftsstruktur. Der Großteil des Vermögens der Banker und Händler an der Spitze wird von nun an aus Goldman-Aktien bestehen, wodurch sie einen Anreiz erhalten, keine unangemessenen Risiken einzugehen, damit sich kein Wertverlust einstellt - oder die Papiere aufgrund einer Rückforderung von ihren Konten verschwinden.

So zweckmäßig dies alles auch klingen mag, so entsteht durch das Ausmaß des gesamten Bonustopfs von Goldman dennoch unweigerlich der Eindruck, die Firma wolle ihre Mitarbeiter auf Kosten der amerikanischen Steuerzahler reich machen. Eine gesetzgeberische Reaktion, wie etwa die Spekulationssteuer auf Bonusszahlungen der Banken in Großbritannien, mag sich zwar nicht anbahnen. Aber die aufgebrachte Menge wird sich nicht einfach widerspruchslos auflösen.

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