Banken
Brady Dougan, bitte melden Sie sich!

Es herrscht kein Mangel an selbst ernannten Wortführern, um die von Aufsichtsbehörden und Steuerzahlern belagerte Bankenbranche zu verteidigen. Doch seltsamerweise ist der einflussreichste Fürsprecher des Investment Banking auch gleichzeitig dessen ruhigster Vertreter: Brady Dougan, CEO der Credit Suisse.
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Es vergeht kaum ein Tag, ohne dass sich Lloyd Blankfein von Goldman Sachs, Josef Ackermann von der Deutschen Bank oder Jamie Dimon von JP Morgan in eine Debatte über die Banker und das Bankwesen stürzen. Der stets heitere Blankfein ist regelmäßig auf den Kommentarseiten der Zeitungen vertreten. Ackermanns Position als Vorsitzender des internationalen Bankenverbands IIF hat ihm schon oft die Rechtfertigung dafür geliefert, in die Rolle des Meinungsführers zu schlüpfen.

Doch der Einfluss dieses Triumvirats reicht nicht weit genug. Die populistische Reduktion von Goldman Sachs auf ein Blut saugendes Meeresungeheuer hat Blankfeins Macht wohl geschmälert. Und Ackermanns Autorität wird ein wenig durch kleinere Einwände innerhalb der Deutschen Bank selbst eingeschränkt, wozu auch die hartnäckige Weigerung gehört, mit dem Strom zu schwimmen und konventionelles Aktienkapital einzusammeln. Und Dimon würde mit dem Klartext, den er redet, vielleicht besser ankommen, wenn er dabei nicht ganz so oft so kämpferisch aufträte.

Dougan ist während der Krise auffallend schweigsam geblieben. Es ist leicht zu verstehen, warum der in den USA geborene Chef der Credit Suisse keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen will. Die Reserviertheit Dougans verwandelte sich im Februar 2008 in eine regelrechte Verschlossenheit und Scheu, nachdem, nur wenige Wochen nach der Vorlage respektabler Ergebnisse durch die Bank, ein Bilanzierungsskandal über drei Mrd. Dollar aufgedeckt wurde. Der Vorfall erwies sich als sehr lehrreich. Ein paar Monate später - während Ackermann und Blankfein den Chor der Stimmen anführten, die sich voreilig optimistisch zum weiteren Gang der Krise äußerten - war es an Dougan, sich konträr zu äußern und eine düsterere - und korrekte - Prognose abzugeben.

Die Entwicklung der Credit Suisse spiegelt die Umsicht des Mannes an der Spitze der Bank wider. Das Institut hat sich seiner riskanten Vermögenswerte entschiedener entledigt und hat kontinuierlicher Kapital angehäuft als seine Branchenkollegen. Die Bank ist zudem an die schwierige Frage der Boni unerschrocken und direkt herangegangen und hat innovative Vergütungsstrukturen eingeführt, wobei die Belegschaft toxischen Vermögenswerten ausgesetzt wird, die kein anderer Marktteilnehmer anrühren würde. Die Bank ist wirklich gestärkt aus der Krise hervorgangen.

Dougans Stimme dringt nur in Ausnahmefällen an die Öffentlichkeit. Und wenn sich diese Chance schon einmal bot, dann wurde sie meist vergeudet. Dass Dougan selten ohne eine Dose Cola - ganz im Stil von Warren Buffett - angetroffen wird, gehört noch zu den interessanteren Enthüllungen, die einem jüngsten Zeitungsinterview zu entnehmen waren. Das alles erscheint wie eine Verschwendung der Autorität, die Dougan im Übermaß besitzt. In Folge dieser derart ausgeprägten Unauffälligkeit hat Dougan die Verantwortung dafür, die Bankenbranche zu repräsentieren, Kollegen überlassen, die über mehr Selbstvertrauen, aber weniger Glaubwürdigkeit verfügen. Es wird Zeit für Dougan, die Pose des Schweigsamen abzuschütteln und seine Stimme klar und vernehmlich zu erheben.

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