Banken
CoCos statt Lloyds-Aktien

Die Aktien von Lloyds dürften auf Jahre hinaus totes Kapital darstellen. Dividenden werden lange auf sich warten lassen, dazu kommen Unsicherheiten über die weitere Entwicklung der britischen Wirtschaft. Contingent Convertible-Bonds der britischen Bank sind Erfolg versprechender aus als die Option, weitere Aktien zu zeichnen.
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Die Lloyds Banking Group mag zwar die kostspielige staatliche Versicherung umgangen haben, aber ihre Aktien sehen dennoch nicht besonders verlockend aus. Aktionäre von Lloyds, die auf Erträge ausgerichtet sind, sollten vielleicht lieber die Contingent Convertible-Papiere (CoCos) der britischen Bank in Erwägung ziehen anstatt im Rahmen der Bezugsrechtsemission über 13,5 Mrd. Pfund Sterling neue Aktien zu zeichnen.

Bei Contingent Convertibles, kurz CoCos, handelt es sich um Wertpapiere, die traditionellen Wandelanleihen dahingehend ähneln, dass auch sie mit einem Basispreis ausgestattet sind. Im Unterschied zu Wandelanleihen existiert bei diesen Papieren aber ein weiterer Preis, der sogar noch über dem Basisreis liegt, den der Aktienkurs des Unternehmens erreichen muss, bevor ein Investor das Recht hat, diese Umwandlung zu vollziehen.

Es mag nicht eingängig erscheinen, mitten in einer Krise Stammaktien gegen neumodische Wertpapiere zu tauschen, die in Aktien gewandelt werden. Wenn Lloyds in Schwierigkeiten gerät, würden beide kräftige Verluste erleiden. Wenn die Bank wächst und gedeiht, werden die Aktien steigen, während die CoCos weiter einen festen Ertrag abwerfen.

Lloyds hat das Potenzial, langfristig verbesserte Renditen zu bieten. Die Bank hat nach der Fusion mit HBOS ein Viertel des britischen Hypothekendarlehensmarkts inne - eine Position, die sie ausnutzen könnte, wenn die Konjunktur sich erholt.

Doch in den nächsten Jahren sehen die Wachstumsaussichten für die Aktien von Lloyds eher mager aus. Zum einen könnten Kreditverluste die Entwicklung der Bank hemmen, wenn sich die Wirtschaft nicht schnell erholt. Bank-Chef Eric Daniels behauptet zwar, die Wertminderungen hätten ihren Höhepunkt bereits erreicht. Doch durch die steigende Arbeitslosigkeit und die schwachen Märkte für Gewerbeimmobilien könnte die Risikovorsorge auf einem hohen Niveau verharren.

Darüber hinaus bleibt die aufsichtsrechtliche Lage unklar. Wie alle Banken könnte auch Lloyds mit höheren Eigenkapitalanforderungen konfrontiert werden. Ihre Finanzierungskosten könnten sich ebenfalls erhöhen, da die Bank dazu gezwungen ist, kurzfristige Ausleihungen von der Regierung und der Bank of England zu refinanzieren. Beide Faktoren könnten auf die Gewinnmargen drücken.

Der Buchwert von Lloyds je Aktie dürfte bis 2012 im Mittel der Prognosen der Analysten 62 p erreichen. Wenn die Aktien zum 1,15fachen des Nettovermögenswerts gehandelt werden, dann könnte der Kurs 71 p einstellen. Gegenüber dem derzeitigen Kurs von 55 p entspräche dies einer Rendite von 30 Prozent in drei Jahren. Die Dividenden würden diesen Betrag noch ein wenig erhöhen, doch die Analysten gehen vor 2012 nicht von einer Ausschüttung aus.

Damit läge der Ertrag unter dem der CoCos, die mit einer jährlichen Rendite von elf Prozent versehen sind. Zugegeben, der Markt für diese neuen Instrumente ist noch nicht ausgereift und sie könnten sich im Verkauf als teuer erweisen. Aber für die Aktionäre von Lloyds, die traditionell die Gewissheit einer regulären Dividende befürwortet haben, versprechen die CoCos der Bank mehr als ihre Aktien.

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