Banken
Credit Suisse: Aufstieg in die erste Liga

Leicht war es nicht, sich an Goldman Sachs und JPMorgan vorbeizuschieben, die in der Krise Flexibilität bewiesen. Aber Credit Suisse hat es geschafft. Die Schweizer Gruppe hat sich mit einem zweiten Erfolgsquartal in Folge den Weg in die Spitzengruppe erkämpft.
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Der Schweizer Konzern legte im zweiten Quartal zum zweiten Mal in Folge solide Ergebnisse vor. Vor allem die Gewinne im Wertpapierhandel trugen dazu bei, die Eigenkapitalrendite auf spritzige 27 Prozent zu erhöhen. Zwei Jahrzehnte nach der Trennung von First Boston ist Credit Suisse schließlich in die Top-Riege aufgestiegen. Jetzt kommt es darauf an, den richtigen Dreh zu finden, dort zu bleiben und gleichzeitig die Risikoexposition zu verringern.

In mancher Hinsicht war das zweite Quartal weniger gut als das erste. Das Nettoergebnis fiel um 22 Prozent auf 1,6 Milliarden Schweizer Franken (EUR 1,1 Mrd.) und die Eigenkapitalrendite schrumpfte um fünf Prozentpunkte auf 17 Prozent. Aber auch so sind die Zahlen immer noch beeindruckend, vor allem wenn man sie mit den Ergebnissen der Konkurrenz, zum Beispiel Morgan Stanley, vergleicht. Aber sie erzählen noch nicht die ganze Geschichte.

Schrumpfende Zinsspreads bei den eigenen Verbindlichkeiten reduzierten - dank einer verdrehten Rechnungslegungsvorschrift - den Gewinn um 1,1 Milliarden Schweizer Franken. Und Credit Suisse musste 500 Millionen Schweizer Franken berappen, um sich von den Bauchschmerzen zu befreien, die die Bank seit dem vermasselten Buyout des Chemieproduzenten Huntsman quälten. Addiert man diese Posten zum Ergebnis hinzu, dann ergibt sich ein erstes Quartal, das auch Goldman nicht besser abschließen konnte - bei deutlich geringerer Risikoexposition.

Gemessen an den Erlösen konnte das zweite Quartal das erste sogar noch übertreffen und sowohl die Mittelzuflüsse als auch die Margen nahmen leicht zu. Aber den größten Anteil steuerte das investmentbanking bei. Die Einnahmen aus dem Handel mit Aktien und Festverzinslichen konnten verdoppelt werden und die Marktanteile in einer Reihe von Geschäftsfeldern nahmen zu, darunter im Prime Brokerage und im Devisenhandel.

Das ist eine reife Leistung. Seit Jahrzehnten schon versucht Credit Suisse in die Spitze des Investmentbankings vorzudringen. Zunächst mühte sich der Konzern mit dem einst großen Wall-Street-Haus First Boston ab, einmal als Hauptaktionär und dann nach der vollständigen Übernahme 1988. Später erwiesen sich Donaldson, Lufkin & Jenrette als totale Pleite für die Aktionäre, die die Bank auf dem Börsenhöhepunkt des Jahres 2000 übernommen hatte.

Aber aus der aktuellen Krise machte Credit Suisse das Beste. Brady Dougan, der Chef des Konzerns, reagierte schnell und strich Positionen und Geschäftsfelder mit hohen Risiken rigoros zusammen. Stattdessen konzentrierte er sich wieder auf das Handelsgeschäft im Auftrag seiner Kunden. Es hilft, sich auf eine festungsähnliche Tier-1-Eigenkapitalquote von 15,5 Prozent stützen zu können.

Aber wenn die Handelsvolumina und Margen erst wieder sinken, steht das Unternehmen vor neuen Herausforderungen. Dann muss Dougan entscheiden, ob er wieder höhere Risiken eingehen will. Und Credit Suisse muss die Feuerprobe bestehen, wenn es in der Top-Riege bleiben will.

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