Banken
Der Charme einer Nach-Tobin-Steuer

Die Idee einer Tobin-Steuer für Finanztransaktionen verliert Befürworter. Jetzt konzentriert sich die Aufmerksamkeit darauf, Banken zur Zahlung risikoabhängiger Versicherungsgebühren zu zwingen. Ein vielversprechender Vorschlag.
  • 0

Wie kann man Banken angemessen zur Kasse bitten? Die Idee einer Tobin-Steuer auf Finanztransaktionen verliert immer mehr Befürworter. Der Versuch von Gordon Brown, sie auf dem G20-Treffen am Wochenende wachzuküssen, verwandelte sich in einen Todeskuss. Statt dessen konzentriert sich die Aufmerksamkeit darauf, wie Banken auf anderen Wegen der Freifahrtschein auf Kosten der Steuerzahler entzogen werden kann. Einer der vielversprechendsten Ansätze ist, Banken zur Zahlung einer risikoabhängigen Versicherungsgebühr zu zwingen.

Die von Brown erwähnte Versicherungsidee wird beim Internationalen Währungsfonds geprüft. Obwohl es wenig Übereinstimmung darüber gibt, wie eine solche Gebühr funktionieren würde, machen zwei vernünftige Ideen die Runde.

Die erste besteht darin, dass Banken, die ein größeres Risiko für das System darstellen, höhere Kapital- und Liquiditätspuffer vorhalten müssen. Diese Idee ist auch als Steuer auf Banken bekannt, die zu groß zum Scheitern sind. Sie folgt der Theorie, dass größere Banken im Fall ihres Zusammenbruches stärkere Kollateralschäden anrichten.

Der zweite Vorschlag konzentriert sich darauf, dass über kurzfristige Großkundengelder finanzierte Banken riskanter sind als jene Institute, die auf langfristigeres Geld setzen oder stabile Einlagen im Privatkundengeschäft haben. Die Idee ist, dass eine Bank umso höhere Gebühren zahlen muss, je stärker sie von heißem Geld abhängig ist. Man könnte darin eine Versicherungsprämie sehen, die Banken dafür bezahlen müssen, dass sie ihre Zentralbank als letzten Geldgeber in der Not anrufen können.

Ein Vorteil dieser "Heißgeldsteuer" ist, dass sie für Banken einen Anreiz schafft, nach stabilen Finanzierungsquellen zu suchen. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie im Verlauf des Zyklus angepasst werden kann. Wenn eine Zentralbank das Aufblähen einer Blase befürchtet, könnte die Gebühr erhöht werden, wass dazu beitragen würde, Luft aus der Blase zu lassen. Zu guter Letzt würde diese Steuer einen Geldtopf füllen, aus dem die nächsten Bankenrettungen bezahlt werden könnten, anstatt den Steuerzahler erneut um Hilfe bitten zu müssen.

Es gibt keinen Grund, entweder die Heißgeldsteuer zu wählen oder die Steuer für Banken, die zu groß zum Scheitern sind. Sie verfolgen unterschiedliche, aber sich ergänzende Ziele. Die Verantwortlichen sollten beide Varianten umsetzen.

Kommentare zu " Banken: Der Charme einer Nach-Tobin-Steuer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%