Banken
Deutsche Bank: Oppenheim-Deal könnte sich rächen

Deutschlands größte Bank dürfte sich mit der heldenhaften Rettung des ehrwürdigen, aber angeschlagenen Vermögensverwalters politische Lorbeeren verdienen. Aber solche Abmachungen können auch fürchterlich in die Hose gehen, wie Sal Oppenheim selbst schon feststellen musste.
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Der edle Ritter Deutsche eilt Sal. Oppenheim zu Hilfe. Zwei Weltkriege und viele Regierungen hat der 220 Jahre alte deutsche Vermögensverwalter bereits überlebt, aber diese Krise und die Rezession - sowie einige unglückliche Handelsbeziehungen - drohten ihn in die Knie zu zwingen. Und mit staatlicher Unterstützung konnte die Bank der Superreichen wenige Wochen vor der Bundestagswahl kaum rechnen.

Noch läuft das Due-Diligence-Verfahren, mit dem die größte deutsche Bank eine mögliche Beteiligung prüft, aber die Entscheidung, dem Kreis der Sal.-Oppenheim-Eigentümer mit einem 300-Millionen-Euro-Kredit unter die Arme zu greifen, ist bereits gefallen. Das Geld soll helfen, die Kapitalreserven der Bank aufzufüllen.

In der Gegend, in der Sal. Oppenheim beheimatet ist, nennt man so etwas Klüngel, was übersetzt so etwas bedeutet wie "eine Hand wäscht die andere". Wer aus Gefälligkeit gibt, kann auch damit rechnen, eine Gefälligkeit zu erhalten. Das ist gängige Praxis unter den deutschen Familienbetrieben und taucht ebenso auf, wenn Großunternehmen mit Regierungen verhandeln.

2008 musste Sal. Oppenheim seinen ersten Jahresverlust seit dem Zweiten Weltkrieg bekannt geben. Der Zusammenbruch der deutschen Kreditbank IKB ging ins Geld und auch ein bisschen Klüngel erwies sich als teuer. Sal. Oppenheims enge Bande zu Milliardärin Madeleine Schickedanz reichten, um die Bank davon zu überzeugen einen Anteil von 28,7 Prozent an einer ihrer wichtigsten Holdings, Arcandor, zu übernehmen. Der deutsche Einzelhandels- und Tourismus-Konzern musste inzwischen Konkurs anmelden.

Die Reaktion der Sal.-Oppenheim-Familienmitglieder bestand darin, im Dezember noch einmal 200 Millionen Euro nachzuschießen. Aber damit rutschte die Tier-1-Eigenkapitalquote der Bank weiter in Richtung 10 Prozent, und damit deutlich unter die 13 bis 15 Prozent, die die wohlhabende Kundschaft von ihren Hausbanken erwartet. Daraufhin versuchte Sal. Oppenheim sich möglichst unauffällig von der Investmentbank BHF zu trennen, die das Unternehmen 2004 für 600 Millionen Euro eingekauft hatte - aber ohne Erfolg. Fitch stufte das Kreditrating herunter und setzte die Bank auf die Liste der Kandidaten mit negativem Geschäftsausblick.

Die Motive der Deutschen Bank sind nicht gerade altruistisch oder nur auf politisches Schönwetter gerichtet. Eine Investition in Sal. Oppenheim könnte das Image der Deutschen Bank in der Betreuung vermögender Privatkunden und im Vermögensverwaltungsgeschäft aufpolieren, ohne hohe Kosten zu verursachen. Aber eine strategische Partnerschaft oder eine Minderheitsbeteiligung ist alles andere als ein sicherer Weg zum Erfolg.

Sal. Oppenheime müsste wahrscheinlich immer noch einen Käufer für BHF finden und es könnten weitere Kapitalinfusionen notwendig werden. Die Privatbankkunden könnten die Verbindung zu der Großbank ablehnen und die geschäftsführenden Familienmitglieder könnten stur daran festhalten, allein über die Geschäftspolitik bestimmen zu wollen. Die Deutsche könnte zu guter Letzt erkennen, dass der Klüngel nicht immer hält, was er verspricht.

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