Banken
Die Erholung ist trügerisch

Die Renditen im ersten Quartal erreichten astronomische Höhen. Das Vertrauen der Anleger kehrte schnell zurück und einige Aktien werden schon wieder über Buchwert gehandelt. Aber die erfreuliche Rückkehr der Investmentbanken wird voraussichtlich nicht von Dauer sein. Anleger sollten sich den Blick nicht vernebeln lassen.
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Die Sterne sind im ersten Quartal an den Himmel der Investmentbanker zurückgekehrt. Mehr als ein Jahr lang mussten sie zusehen, wie das Kapital in einem schwarzen Loch verschwand, jetzt konnten viele wieder Rekordgewinne im Renten-, Rohstoff- und Währungshandel verbuchen. Die Renditen auf dem Aktienmarkt waren teilweise sogar astronomisch.

Mit der Rückkehr des Vertrauens stiegen auch die Aktienkurse wieder in den Himmel. Banken, die zeitweilig nur noch zur Hälfte ihres Buchwerts gehandelt wurden, erzielen jetzt wieder Prämien. Das ist plausibel, solange die Renditen über den Kapitalkosten liegen. Es sieht aber nicht danach aus, dass die Faktoren, die zur Wiederbelebung der Branche führten, auf Dauer Bestand haben könnten. Trotz der größeren Risikoaversion und einem Mangel an Abschlüssen wurden die Banken von drei Seiten begünstigt: Die Margen stiegen, das Handelsvolumen nahm zu und der Wettbewerb ließ nach. Die Spanne zwischen Geld- und Briefkursen nahm in vielen Märkten zu, im Währungshandel verdreifachte sie sich sogar. Jetzt aber kehrt die Liquidität zurück und die Spreads beginnen wieder zu sinken.

Das Handelsvolumen erholte sich im Neuen Jahr deutlich gegenüber dem Vorjahr. Langfristige Investoren drängten zurück auf den Markt und kredithungrige Unternehmen stürzten sich auf das Kapitalbankett. Aber die Märkte pendeln sich wieder ein und die Rekordgewinne der Banken schwinden dahin.

Und schließlich waren bei der Rückkehr der Anleger, weniger Banken im Geschäft. Die Überlebenden der Krise, wie zum Beispiel Credit Suisse und JPMorgan, ergriffen die Gelegenheit beim Schopf. Aber so leicht wird sich das Territorium in Zukunft nicht mehr erobern lassen. Andere Banken schöpfen ebenfalls wieder Mut. Selbst die Banken, die inzwischen in die Hand der Steuerzahler gewandert sind, wie beispielsweise Royal Bank of Scotland, dürften auf dem weniger kapitalintensiven Feld des Wertpapierhandels aktiv bleiben.

Das Gedränge nimmt langsam wieder zu, allerdings werden die Banken sich um eine weitaus kleinere Kundengruppe streiten müssen. Das Hedgefondsgeschäft sowie der Eigenhandel, die traditionellen Umsatz- und Ergebnistreiber, sind dagegen nach wie vor rückläufig.

Und es gibt noch andere bedenkliche Signale. Normalerweise stabile Einkommensquellen, wie zum Beispiel Provisionen, werfen weniger ab, wenn man die Berichte von Deutsche Bank und Goldman Sachs als Indikator nehmen kann. Der steile Anstieg auf den Aktienmärkten bescherte zudem Wertzuwächse im Bestand, eine Quelle, die ebenfalls jederzeit wieder versiegen kann.

Optimisten sehen im ersten Quartal die Vorboten einer neuen renditestarken Phase - bei geringeren Risiken und geringeren Verschuldungsgraden. Diese Sichtweise dürfte allerdings den wirklich Blauäugigen vorbehalten bleiben.

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