Banken: Die Führungskrise bei HSBC ist ein Zeichen der Stärke

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Die Führungskrise bei HSBC ist ein Zeichen der Stärke

Viele große Geldhäuser suchen händeringend glaubhafte Kandidaten für die Toppositionen. Nicht so bei HSBC: Dort gibt es einen Überfluss an guten internen Bewerbern.
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Die sonst so solide Großbank HSBC hat eine bizarre Führungskrise hinter sich. Aber selbst im Chaos zeigt Europas mächtigstes Geldhaus noch Stärke. Kann das noch Zufall sein? Innerhalb von wenigen Wochen tauschen drei der vier größten britischen Banken ihr Führungspersonal aus. Offenbar sorgt die Finanzkrise auch bei jenen Vorstandschefs für Verschleißerscheinungen, die ihre Institute mit Können und Glück mehr oder wenig glimpflich durch die Finanzkrise gesteuert haben. Drei Jahre zwischen wirtschaftlicher Katastrophe, öffentlichen Anfeindungen und radikalen Reformen fordern jetzt anscheinend ihren Tribut.

Den Anfang beim großen Stühlerücken machte Barclays. Die Beförderung des Chefinvestmentbankers Bob Diamond zum Vorstandschef war von vielen in der City erwartet worden, überraschend kam lediglich der Zeitpunkt. In die gleiche Kategorie fällt derRücktritt von Eric Daniels, dem Chef der halbverstaatlichten Lloyds Banking Group. Eigentlich war klar, dass Daniels nach der fatalen Übernahme der Hypothekenbank HBOS mitten in der Finanzkrise seinen Posten irgendwann aufgeben würde.

Wirklich verblüffend ist eigentlich nur die Führungskrise bei Europas mächtigster Bank HSBC. Schließlich war auch der Rücktritt von Chairman Stephen Green, der in die Politik geht, nur einige Monate früher gekommen als ursprünglich erwartet. Simon Robertson, der dienstälteste unabhängige Direktor im Board von HSBC, hatte bereits mit der Suche nach einem Nachfolger begonnen. Eigentlich hatte er John Thornton, die ehemalige Nummer zwei der Investmentbank Goldman Sachs, zum Favoriten erkoren. Doch damit konnte sich der HSBC-Vorstandsvorsitzende Michael Geoghegan nicht abfinden, vor allem, weil er selbst gerne Chairman werden wollte. Dagegen wehrten sich wiederum einflussreiche Aktionäre. Also kürte Robertson Finanzvorstand Douglas Flint als Kompromisskandidaten. Geoghegan trat trotzdem zurück, weil er sich nicht von seinem ehemaligen Untergebenen kontrollieren lassen wollte. Ein Nachfolger war mit dem Chefinvestmentbanker Stuart Gulliver schnell gefunden.

Viele legen dieses Führungschaos als Schwäche aus. Aber lässt sich die Affäre nicht auch umgekehrt interpretieren? Schließlich ist es ein Zeichen der Stärke, dass das Geldhaus mit Flint, Geoghegan und Thornton gleich drei starke interne Kandidaten für den Posten des Chairman präsentieren kann. Auch für die Stelle des Vorstandsvorsitzenden hätte mit dem Chef des Firmen- und Privatkundengeschäfts, Sandy Flockhart, noch mindestens ein glaubhafter Anwärter bereitgestanden.

Solchen personellen Luxus genießen längst nicht alle Geldhäuser. Bei der Deutschen Bank musste beispielsweise Vorstandschef Josef Ackermann seinen Vertrag noch einmal verlängern, weil Aufsichtsratschef Clemens Börsig im Frühjahr 2009 keinen glaubwürdigen Nachfolger präsentieren konnte.

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