Banken/Dubai
Am stärksten leidet der Stolz

Die Aktien von Banken, die Kredite an Dubai World vergeben haben, waren in die Knie gegangen, nachdem die staatliche Holding ein Moratorium bei der Rückzahlung ihrer Schulden angekündigt hatte. Doch die möglichen Verluste erscheinen nicht sehr umfangreich zu sein, es sei denn, die gesamten VAE geraten aus den Fugen. Es ist allerdings wahrscheinlicher, dass die Nachbarn Dubais das Leiden der Kapitalgeber lindern werden.
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Ausländische Banken sollten durch das Gesuch der staatlichen Dubai World für ein Moratorium hinsichtlich ihrer Verbindlichkeiten über 59 Mrd. Dollar nicht über Gebühr in Mitleidenschaft gezogen werden. Am Donnerstag hatte diese Nachricht die globalen Märkte in Aufruhr versetzt, wobei besonders Bank-Aktien in die Knie gingen. Die Titel von Barclays gaben um acht Prozent nach, da die Investoren davon ausgingen, dass die britische Bank in der Region besonders aktiv ist. Doch die massiven Abschläge schienen eher auf Panikgefühlen als auf nüchternen Berechnungen zu beruhen.

Das Engagement der Banken bei Dubai World, dessen Bereich Nakheel für einige der ausgefalleneren Immobilienvorhaben in Dubai verantwortlich zeichnet, besteht hauptsächlich in syndizierten Krediten über 13,6 Mrd. Dollar, hat JP Morgan recherchiert. Die Royal Bank of Scotland (RBS) ist dabei als Konsortialführerin für Kredite über 2,3 Mrd. Dollar den Risiken am stärksten ausgesetzt.

Das hört sich zunächst nach einem beträchtlichen Betrag an, doch Konsortialführer tendieren dazu, sämtliche Kredite bis auf zehn Prozent zu syndizieren. Damit wäre die RBS mit 230 Mill. Dollar exponiert, wobei der tatsächliche Verlust aus einem möglichen Forderungsausfall allerdings bedeutend geringer ausfallen sollte, wenn erst einmal Einbringungen und Absicherungsgeschäfte berücksichtigt wurden. Von Barclays etwa stammt eine Fazilität über 1,8 Mrd. Dollar an Nakheel, von der jedoch nur 150 Mill. Dollar zurückbehalten wurden, schreibt JP Morgan. Die Bank hat ihre Verlusteinschätzungen für 2009 denn auch demonstrativ unverändert belassen.

Natürlich könnten die ernsten Probleme in Dubai auf weitere mögliche Verluste an anderer Stelle innerhalb der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hindeuten. Dann müssten sich die größten ausländischen Kreditanbieter der VAE Sorgen machen: Die HSBC und die Standard Chartered waren dort per Ende 2008 mit 17 Mrd. bzw. 7,8 Mrd. Dollar engagiert. Wenn diese Kredite wertlos würden, würde das Eigenkapital der Banken um 18 bzw. 43 Prozent sinken.

Doch die Wahrscheinlichkeit, dass ein solcher Fall eintritt, ist gering. Da es sich bei dem anderen Hauptkreditnehmer in den VAE um das an Rohöl reiche Emirat Abu Dhabi handelt, dürften jegliche Einbußen tatsächlich minimal ausfallen. Abu Dhabi wird Dubai wahrscheinlich weiterhin unterstützen - und sei es nur deswegen, um auf den globalen Märkten nicht mit dem Nachbarn zusammen in denselben Topf geworfen zu werden. Damit würde der Schmerz für die Kapitalgeber etwas gelindert.

Die Verluste sollten überschaubar bleiben, doch der Stolz einiger Banken wird einen herben Schlag zu verkraften haben. Viele hatten nicht nur für Dubai geworben und es als künftiges freizügiges Finanzzentrum mit niedrigen Steuersätzen angepriesen, sondern selbst dort ehrgeizige Bereiche eröffnet. Diese Pläne sehen jetzt töricht aus.

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