Banken
Irische Banken könnten Verstaatlichung abwenden

Wie es aussieht haben die irischen Banken eine Galgenfrist erhalten. Das Damoklesschwert der Verstaatlichung hing schon in der Luft, während die Regierung über den Konditionen ihrer Bad Bank brütete. Aber so, wie das Modell jetzt aussieht, könnten irische Banken dem Galgenstrick entkommen.
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Der Staat will rund 77 Milliarden Euro an notleidenden Immobilien- und Baukrediten mit einem Abschlag von 30 Prozent auf ihren Nominalwert übernehmen. Für AIB und BoI - die im Rahmen des Programms zusammen Vermögenswerte im Volumen von 40 Milliarden Euro verkaufen werden - heißt das nach Schätzungen von Nomura Research, sie müssen insgesamt noch 3,8 Milliarden Euro aufnehmen, um wieder eine angemessene Kapitalausstattung zu erreichen.

Weil das Angebot des irischen Staates 15 Prozent über dem Marktpreis liegt, bleibt es dem heimischen Bankensektor aber erspart, weitere 7 Milliarden Euro aufbringen zu müssen. Ein zusätzlicher Kapitalbedarf in dieser Höhe hätte die Banken wohl mit ziemlicher Sicherheit in die Arme des Staates getrieben.

Mit ihrem Lösungsmodell haben die Politiker jedoch auch versucht, Bedenken zu begegnen, dass die Bad Bank die Steuerzahler zu stark belastet, während sie zu generös mit den Aktionären umgeht. Das Risiko soll dadurch gleichmäßiger verteilt werden, dass der irische Staat einen Teil der Zahlungen in Form von nachrangigen Schuldtiteln leistet, die nur beglichen werden, wenn sich die angekauften schlechten Kredite vollständig erholen. Noch ist allerdings unklar, ob das reicht, um die Opposition, geschweige denn die Europäische Union zu überzeugen. In Holland nimmt die EU gegenwärtig eine ähnlich konstruierte Bad Bank genau unter die Lupe, die Vermögenswerte von ING mit einem Aufschlag auf den Marktpreis übernommen hat.

Der Schnitt wird wohl nicht für alle Banken gleich ausfallen und die Bewertungsansätze, die die Regierung bei der Immobilienbewertung zugrunde legt, sind nach wie vor unbekannt. Aber der Preisaufschlag sowie die wieder freundlichere Stimmung an der Börse werden es den Banken erleichtern, Kapital auf kommerziellem Wege aufzunehmen. AIB gab bereits bekannt, mit einem potenziellen Interessenten zu verhandeln, konkret mit CIBC. Die Erholung im Finanzsektor hat jedenfalls dazu geführt, dass die Banken sich wieder einer ganz robusten Nachfrage gegenübersehen - man denke nur an die jüngste Kapitalerhöhung der spanischen Bank Popular. Ein breiterer Aufschwung wird auch dazu führen, dass Verkäufe wieder einfacher werden. Analysten gehen davon aus, dass AIB aus dem Verkauf der US-Bank M&T mindestens 600 Millionen Euro erlösen kann.

Die Anleger sind mit Sicherheit erleichtert. AIB-Aktien konnten am Donnerstagmorgen bereits um 20 Prozent zulegen, BoI stiegen um 8 Prozent. Aber die Übernahme der Schulden wird zu einer Zunahme der irischen Staatsverschuldung um 30 Prozent des BIP führen. Die Erholung bei Gewerbe- und Wohnimmobilien ist zu gering und erst von zu kurzer Dauer, um jetzt schon Vertrauen zu rechtfertigen. Dass die irischen Banken dem Tod noch einmal von der Klinge gesprungen sind, heißt nur, dass ein Investment keine Alles-oder-Nichts-Entscheidung mehr ist. Eine gute Investition sind Banken darum noch lange nicht.

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